Rund um den Notfallordner

Notfallordner-Inhalt: Die komplette Checkliste mit 12 Lebensbereichen

Was gehört in einen Notfallordner? Komplette Checkliste mit 12 Lebensbereichen, Besorg-Tabelle und Prioritäten-Plan. Jetzt abhaken und vorsorgen.

Inhalt dieses Artikels (9 Abschnitte)

Wenn Ihnen etwas zustößt, müssen Ihre Angehörigen innerhalb von Stunden Vollmachten, Kontodaten und Ansprechpartner finden — und scheitern oft schon an der Frage, wo überhaupt gesucht werden soll. Diese Seite beantwortet die Frage „Was gehört in einen Notfallordner?” vollständig: mit einer abhakbaren Checkliste über 12 Lebensbereiche, einer Tabelle, wo Sie jedes Dokument besorgen, und einer klaren Reihenfolge, womit Sie anfangen sollten. Am Ende wissen Sie exakt, was in Ihren Ordner gehört — und was Sie getrost weglassen können.

Der 30-Sekunden-Test: Würde Ihr Ordner im Ernstfall funktionieren?

Bevor wir in die Checkliste einsteigen, ein kurzes Szenario: Sie liegen nach einem Unfall nicht ansprechbar im Krankenhaus. Ihr Partner oder Ihre Kinder müssen jetzt klären:

  • Wer darf gegenüber Ärzten entscheiden? (Vorsorgevollmacht)
  • Welche Behandlung wünschen Sie? (Patientenverfügung)
  • Wie werden Miete, Strom und Kredite weitergezahlt? (Kontovollmacht, Dauerauftragsliste)
  • Wen muss man informieren — Arbeitgeber, Versicherungen, Vermieter? (Kontaktliste)

Wenn eine dieser vier Fragen nicht innerhalb von 30 Sekunden mit einem Griff in Ihren Ordner beantwortbar ist, hat Ihr Notfallordner eine Lücke. Genau diese Lücken schließt die folgende Checkliste.

Die 12 Lebensbereiche: Was in den Notfallordner gehört

Ein vollständiger Notfallordner deckt nicht nur den medizinischen Notfall ab, sondern alle Situationen, in denen andere für Sie handeln müssen — von der vorübergehenden Krankheit bis zum Todesfall. Bewährt hat sich eine Gliederung in 12 Bereiche. Haken Sie ab, was Sie bereits geregelt haben:

Bereich 1: Persönliche Daten & Dokumente

  • Stammdatenblatt (Name, Geburtsdatum, Steuer-ID, Rentenversicherungsnummer, Sozialversicherungsnummer)
  • Kopien: Personalausweis, Reisepass, Führerschein
  • Geburtsurkunde bzw. Familienstammbuch (Original oder Hinweis auf Aufbewahrungsort)
  • Heiratsurkunde / Lebenspartnerschaftsurkunde, ggf. Scheidungsurteil

Bereich 2: Notfallkontakte & Ansprechpartner

  • Liste der wichtigsten Kontakte: Familie, enge Freunde, Nachbarn mit Schlüssel
  • Hausarzt, Fachärzte, Apotheke
  • Arbeitgeber (Personalabteilung), Steuerberater, Anwalt, Bankberater
  • Hinweis, wo Zweitschlüssel liegen

Bereich 3: Gesundheit & Medizin

  • Medikamentenplan (aktuell!)
  • Allergien, chronische Erkrankungen, Implantate
  • Impfpass (Kopie), Blutgruppe falls bekannt
  • Krankenversicherung: Versichertennummer, Tarif, Zusatzversicherungen

Bereich 4: Vorsorgedokumente

  • Patientenverfügung
  • Vorsorgevollmacht
  • Betreuungsverfügung
  • Organspendeausweis (Kopie, Original im Portemonnaie)
  • ggf. Registrierungsbestätigung des Zentralen Vorsorgeregisters

Dieser Bereich ist der wichtigste des gesamten Ordners. Ohne Vorsorgevollmacht dürfen selbst Ehepartner Sie nur eingeschränkt vertreten — das gesetzliche Notvertretungsrecht gilt nur für Gesundheitsangelegenheiten und ist auf sechs Monate begrenzt.

Bereich 5: Finanzen & Konten

  • Übersicht aller Konten und Depots (Bank, IBAN — keine PINs!)
  • Kontovollmachten bzw. Bankvollmacht (bei der Bank hinterlegt? Vermerken!)
  • Daueraufträge und Lastschriften (was läuft monatlich?)
  • Kredite und Darlehen mit Restschuld und Ansprechpartner
  • Bausparverträge, Wertpapiere, Kryptowährungen (Hinweis auf Zugang)

Bereich 6: Versicherungen

  • Versicherungsübersicht: Gesellschaft, Versicherungsnummer, Ansprechpartner
  • Lebens- und Risikolebensversicherung (Bezugsberechtigte prüfen!)
  • Unfall-, Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht-, Hausratversicherung
  • Sterbegeldversicherung, falls vorhanden

Bereich 7: Wohnen & Immobilien

  • Mietvertrag bzw. Grundbuchauszug und Kaufvertrag
  • Nebenkostenverträge: Strom, Gas, Wasser, Internet
  • Kontakt Vermieter / Hausverwaltung
  • Hinweise zu laufenden Pflichten (Heizung, Garten, Haustier-Versorgung)

Bereich 8: Verträge & Abos

  • Mobilfunk, Streaming, Zeitschriften, Fitnessstudio
  • Vereinsmitgliedschaften
  • Kfz: Fahrzeugschein (Kopie), Leasing-/Finanzierungsvertrag, Kfz-Versicherung
  • Kündigungsfristen notieren — das spart Angehörigen im Ernstfall bares Geld

Bereich 9: Beruf & Rente

  • Arbeitsvertrag, letzte Gehaltsabrechnung
  • Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung
  • Betriebliche Altersvorsorge, private Rentenverträge (Riester, Rürup)
  • Zeugnisse und Qualifikationsnachweise (Kopien)

Bereich 10: Digitaler Nachlass & Passwörter

  • Liste aller wichtigen Online-Konten (E-Mail, Banking, Social Media, Cloud)
  • Zugang zum Passwort-Manager (Master-Passwort in verschlossenem Umschlag oder an sicherem Zweitort)
  • Verfügung, was mit Profilen geschehen soll (löschen, Gedenkzustand)
  • Entsperrcode für Smartphone hinterlegen — daran scheitern viele Angehörige zuerst

Bereich 11: Testament & Erbe

  • Testament (Original beim Nachlassgericht hinterlegt? Vermerken!) oder Hinweis auf Aufbewahrungsort
  • Übersicht Vermögen und Verbindlichkeiten
  • ggf. Erbvertrag, Schenkungen, Pflichtteilsrelevantes

Bereich 12: Todesfall & Bestattung

  • Bestattungswünsche (Art, Ort, Ablauf)
  • ggf. Bestattungsvorsorgevertrag
  • Liste der im Todesfall zu informierenden Stellen
  • persönliche Nachrichten an Angehörige (optional)

Tabelle: Welches Dokument, wo besorgen, wo einheften

Die häufigste Hürde ist nicht das Einheften, sondern das Beschaffen. Diese Tabelle zeigt für die wichtigsten Dokumente, wo Sie sie bekommen:

DokumentWo besorgen?KostenWo einheften?
PatientenverfügungTextbausteine des BMJ oder Online-Tool der VerbraucherzentralekostenlosBereich 4
VorsorgevollmachtMuster-Formular des BMJkostenlos (Beglaubigung bei Betreuungsbehörde ca. 10 €)Bereich 4
BetreuungsverfügungMuster-Formular des BMJkostenlosBereich 4
BankvollmachtDirekt bei Ihrer Bank (eigene Formulare!)kostenlosBereich 5
Geburtsurkunde (Neuausstellung)Standesamt des Geburtsortsje nach Kommune ca. 10–15 €Bereich 1
RenteninformationDeutsche Rentenversicherung (kommt jährlich per Post, sonst anfordern)kostenlosBereich 9
GrundbuchauszugGrundbuchamt / Amtsgerichtca. 10–20 €Bereich 7
OrganspendeausweisKrankenkasse, Apotheke, BZgAkostenlosBereich 4
MedikamentenplanHausarzt (ab 3 Dauermedikamenten Anspruch auf bundeseinheitlichen Medikationsplan)kostenlosBereich 3
Testament (hinterlegen)Nachlassgericht (amtliche Verwahrung)75 € Hinterlegungsgebühr zzgl. RegistrierungBereich 11 (Vermerk)

Original oder Kopie? Die Faustregeln

Nicht alles gehört im Original in den Ordner. Orientierung gibt die Empfehlung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BBK) zur Dokumentenmappe:

FormDokumente
OriginalVorsorgevollmacht (nur mit Original-Urkunde handlungsfähig!), Familienurkunden bzw. Stammbuch, Patientenverfügung
Original oder beglaubigte KopieVersicherungspolicen, Rentenbescheide, Verträge, Zeugnisse
Einfache Kopie reichtAusweis, Reisepass, Führerschein, Fahrzeugpapiere, Impfpass, Grundbuchauszug, Bescheide

Wichtig beim Testament: Ein handschriftliches Testament sollte nicht nur im heimischen Ordner liegen — sicherer ist die amtliche Verwahrung beim Nachlassgericht. In den Notfallordner gehört dann der Vermerk, wo es liegt.

Was NICHT in den Notfallordner gehört

Ein häufiger Fehler ist der überfüllte Ordner, in dem das Wichtige zwischen Unwichtigem verschwindet. Verzichten Sie auf:

  • PINs und TANs — niemals zusammen mit Kontodaten aufbewahren. Passwörter gehören in einen verschlossenen Umschlag an einem separaten Ort oder in einen Passwort-Manager.
  • Komplette Kontoauszug-Historien — eine aktuelle Kontenübersicht genügt.
  • Alte, gekündigte Verträge — nur laufende Verpflichtungen sind im Notfall relevant.
  • Bargeld oder Wertsachen — der Ordner ist kein Safe und sollte für Angehörige zugänglich sein.

In welcher Reihenfolge sollten Sie den Inhalt zusammenstellen?

Wer versucht, alle 12 Bereiche an einem Wochenende zu füllen, gibt meist auf. Sinnvoller ist eine Priorisierung nach Dringlichkeit:

  1. Sofort (Woche 1): Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung — sie wirken nur, wenn sie existieren, bevor etwas passiert. Dazu das Stammdatenblatt und die Notfallkontakte.
  2. Bald (Woche 2–3): Konten- und Versicherungsübersicht, Bankvollmacht bei der Bank hinterlegen, Medikamentenplan.
  3. Danach (Monat 2): Verträge, Wohnen, Beruf/Rente, digitaler Nachlass.
  4. Zum Schluss: Testament und Bestattungswünsche — wichtig, aber ohne akute Frist.

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit 30-Minuten-Quickstart finden Sie im Ratgeber Notfallordner anlegen.

Selbst zusammenstellen oder fertige Struktur nutzen?

Sie können jeden der 12 Bereiche mit kostenlosen Einzelvorlagen füllen — eine Übersicht aller Gratis-Quellen finden Sie im Ratgeber Notfallordner kostenlos. Der Preis dafür ist Ihre Zeit: Vorlagen aus einem Dutzend Quellen zusammensuchen, prüfen, ob sie aktuell sind, und selbst eine Ordnung erfinden.

Die Alternative ist ein fertiger Workflow: Der Dein-Ordner-Notfallordner kuratiert die offiziellen Muster von BMJ und Verbraucherzentrale in einen einzigen Ausfüll-Workflow — über 140 Seiten, am PC ausfüllbare Formularfelder, alle 12 Lebensbereiche in der richtigen Reihenfolge. Einmal zahlen (24,90 €), sofort per E-Mail, keine Datenweitergabe, kein Abo. Wer möchte, ergänzt Module für Selbstständige (19,90 €), Familien (9,90 €) oder Haustiere (4,90 €).

Häufige Fragen zum Notfallordner-Inhalt

Was gehört alles in einen Notfallordner?

Ein vollständiger Notfallordner deckt 12 Bereiche ab: persönliche Daten, Notfallkontakte, Gesundheit, Vorsorgedokumente (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung), Finanzen, Versicherungen, Wohnen, Verträge, Beruf/Rente, digitaler Nachlass, Testament und Bestattungswünsche. Kern sind die Vorsorgedokumente — ohne sie können Angehörige im Ernstfall nicht rechtswirksam für Sie handeln.

Welche Vorlagen gibt es für einen Notfallordner?

Kostenlose Einzelvorlagen bieten das BMJ (Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügungs-Textbausteine), die Verbraucherzentrale (Online-Tools) und einige Kommunen und Wohlfahrtsverbände (Notfallmappen als PDF). Komplett-Lösungen mit allen Bereichen in einem Dokument gibt es als Print-Ordner (ca. 20–50 €) oder als ausfüllbares PDF wie unseren Notfallordner (24,90 €).

Was ist in einer Notfallbox drin?

Eine Notfallbox (oft „Notfalldose” für den Kühlschrank) ist etwas anderes als ein Notfallordner: Sie enthält nur ein Notfall-Infoblatt für Rettungskräfte — Medikamente, Vorerkrankungen, Notfallkontakte. Sie ergänzt den Notfallordner für den akuten medizinischen Einsatz, ersetzt ihn aber nicht, weil Vollmachten, Finanzen und Verträge fehlen.

Was gehört auf eine Notfallkarte?

Eine Notfallkarte für die Geldbörse enthält: Name, Geburtsdatum, Notfallkontakte mit Telefonnummer, wichtige Diagnosen und Allergien, Medikamente sowie den Hinweis, dass eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht existieren und wo sie liegen. Sie ist der „Wegweiser” zum Notfallordner, wenn Sie unterwegs verunglücken.

Was sollte man für den Kriegs- oder Katastrophenfall zu Hause haben?

Für Katastrophenlagen empfiehlt das BBK neben Lebensmittel- und Wasservorrat eine griffbereite Dokumentenmappe mit Urkunden (Original oder Kopie), die Sie bei einer Evakuierung mitnehmen können. Ihr Notfallordner erfüllt diese Funktion mit, wenn er an einem bekannten, schnell erreichbaren Ort steht — ein zusätzlicher Grund, ihn vollständig zu führen.

Wie oft muss ich den Inhalt aktualisieren?

Prüfen Sie den Ordner einmal jährlich zu einem festen Termin (z. B. Jahresbeginn) und zusätzlich bei Lebensereignissen: Umzug, Heirat, Scheidung, Geburt, Jobwechsel, neue Konten oder Versicherungen. Veraltete Angaben — alte Kontonummern, überholte Medikamentenpläne — sind im Ernstfall fast so problematisch wie fehlende.

Quellen

  • bmj.de — Bundesministerium der Justiz: Muster für Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Textbausteine Patientenverfügung
  • verbraucherzentrale.de — Online-Tools für Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
  • bbk.bund.de — Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Empfehlungen zur Dokumentenmappe
  • gesetze-im-internet.de — § 1358 BGB (Ehegatten-Notvertretungsrecht), § 1901a BGB (Patientenverfügung)

Stand: August 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.

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