Vorsorge-Dokumente

Patientenverfügung-Formular kostenlos: Welche Vorlage passt — und wie sie wirksam wird

Patientenverfügung-Formular kostenlos: 5 seriöse Vorlagen von BMJV bis Malteser — welche am PC ausfüllbar sind und wie Ihre Verfügung wirksam wird.

Inhalt dieses Artikels (8 Abschnitte)

Ein seriöses Patientenverfügung-Formular bekommen Sie kostenlos beim Bundesjustizministerium (Textbausteine, auch als Word-Datei), bei den Verbraucherzentralen (Online-Assistent), beim Bayerischen Justizministerium, bei den Kirchen und bei den Maltesern. Verbindlich wird jede Vorlage erst, wenn Sie konkrete Situationen und Maßnahmen festlegen, sie ausdrucken und eigenhändig unterschreiben. Einen Notar brauchen Sie nicht.

Formular-Finder: 5 kostenlose Vorlagen für die Patientenverfügung im Vergleich

Wir haben am 8. Oktober 2026 jede Vorlage direkt beim Herausgeber heruntergeladen bzw. aufgerufen und geprüft: Wer steht dahinter, wie funktioniert sie, lässt sie sich am PC ausfüllen, und wie aktuell ist sie? Alle fünf sind kostenlos. Die Dateien von BMJV, Bayerischem Justizministerium, Kirchen und Maltesern lassen sich ohne Anmeldung herunterladen.

Vorlage und HerausgeberArt der VorlageAm PC ausfüllbar?Umfang und Stand
Textbausteine und Broschüre „Patientenverfügung“ — Bundesministerium der Justiz und für VerbraucherschutzKein fertiges Formular, sondern Bausteine zum Zusammenstellen, für jede Maßnahme mit Alternativen; die Broschüre erklärt die Situationen und enthält zwei ausformulierte Beispiele erfundener PersonenWord-Datei: ja (frei bearbeitbar). PDF: nein (keine Formularfelder)Broschüre 48 Seiten, Stand Juli 2025, gedruckt kostenlos bestellbar; Textbausteine 7 Seiten, PDF und Word-Datei inhaltsgleich (Datum laut Downloadseite: PDF September 2021, Word-Datei Januar 2023)
„Selbstbestimmt“ – Online-Patientenverfügung — VerbraucherzentralenGeführter Online-Assistent auf Basis der BMJV-Textbausteine, mit Erklärtexten und HinweisenJa, im Browser; das Ergebnis drucken Sie aus und unterschreiben esEingaben werden nach Fertigstellung, spätestens nach drei Monaten gelöscht; aufgerufen Oktober 2026
„Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“ — Bayerisches Staatsministerium der JustizAnkreuzformular für vier Grundsituationen, ausgerichtet auf den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen; Ergänzungsbögen für persönliche Wünsche, schwere Erkrankung und OrganspendeJa (PDF mit Formularfeldern); die Unterschriftsfelder sind digitale Signaturfelder — trotzdem ausdrucken und von Hand unterschreibenBroschüre 68 Seiten mit Formularen auch für Vollmacht und Betreuungsverfügung; 22. Auflage, Stand August 2025
„Christliche Patientenvorsorge“ — Deutsche Bischofskonferenz und EKD mit weiteren Kirchen der ACKKombiformular: Vorsorgevollmacht für Gesundheit und Aufenthalt, Generalvollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung und Behandlungswünsche; Ankreuzteil für Sterbephase und Endstadium plus Raum für ErgänzungenJa (PDF mit Formularfeldern); Unterschrift nach dem Ausdruck von HandFormular 8 Seiten; Gesamtausgabe mit Handreichung und zwei Formular-Exemplaren 54 Seiten; Neuauflage 2025; bis zu 9 gedruckte Exemplare kostenlos
Malteser Patientenverfügung — Malteser DeutschlandFormular mit Alternativen zum Ankreuzen und Freitextfeldern; dazu Online-Assistent und AusfüllhilfeJa (PDF mit Formularfeldern)8 Seiten, neu aufgelegt 2025 (Druckvermerk 01/2025); auch kostenfrei per Post

So lesen Sie die Spalte „Am PC ausfüllbar“: „Ja“ heißt, dass die PDF echte Formularfelder hat oder die Datei in einem Textprogramm bearbeitet werden kann. Gültig wird die Verfügung trotzdem erst auf Papier — ausgedruckt, mit Ort und Datum versehen und eigenhändig unterschrieben.

Welche Vorlage passt zu wem?

Eine „beste“ Patientenverfügung gibt es nicht — wohl aber eine, die zu Ihrer Haltung passt. Orientieren Sie sich an Ihrem Bedarf:

  • Sie möchten Schritt für Schritt geführt werden: Online-Assistent der Verbraucherzentralen. Er baut auf den BMJV-Textbausteinen auf; Erklärtexte machen die Tragweite der Entscheidungen verständlich.
  • Sie möchten selbst formulieren oder ausdrücklich viel Behandlung zulassen: BMJV-Textbausteine als Word-Datei. Sie bieten für jede Maßnahme Varianten — vom Wunsch nach Lebensverlängerung bis zur reinen Beschwerdelinderung.
  • Sie möchten in bestimmten Situationen auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichten und alles in einem Heft haben: das Formular des Bayerischen Justizministeriums, mit Vollmacht und Betreuungsverfügung in derselben Broschüre.
  • Ihr Glaube soll mitentscheiden: die Christliche Patientenvorsorge — ein Formular für Vollmachten, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung mit ethischen Erläuterungen.
  • Sie wünschen zusätzlich ein Gespräch: das Malteser-Formular; die Malteser bieten Informationsgespräche am Telefon, per Video oder vor Ort an.
  • Sie sind bereits schwer erkrankt: Beziehen Sie die Verfügung auf Ihre Erkrankung und besprechen Sie Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Das empfiehlt das BMJV ausdrücklich; die bayerische Broschüre hat dafür einen eigenen Ergänzungsbogen.

Gibt es ein Formular vom Justizministerium?

Ein bundeseinheitliches amtliches Formular gibt es nicht. Das Bundesjustizministerium begründet das in seiner Broschüre so: Wertvorstellungen und Überzeugungen sind zu verschieden, als dass ein Muster für alle passen könnte. Es stellt deshalb Textbausteine bereit, an denen Sie sich orientieren. Das Justizministerium Nordrhein-Westfalen bietet aus demselben Grund kein eigenes Formular an und verweist auf die Bausteine des Bundes. Ein fertiges, am PC ausfüllbares Formular eines Landesjustizministeriums finden Sie zum Beispiel in der bayerischen Broschüre.

Worauf Sie bei anderen Formularen achten sollten

Wer „Patientenverfügung Formular“ sucht, findet viele PDFs von Bestattern, Hospizdiensten, Versicherern und Kanzleien. Sie können inhaltlich solide sein — mehrere tragen aber ein Erstellungsdatum vor der Betreuungsrechtsreform 2023 oder gar keinen Stand. Ein älteres Formular ist nicht automatisch unwirksam; entscheidend ist, ob Ihre Festlegungen konkret genug sind. Prüfen Sie vor dem Ausfüllen:

  • Sind Herausgeber und Stand-Datum angegeben?
  • Fragt das Formular nach konkreten Situationen und nach konkreten Maßnahmen — oder nur nach allgemeinen Wünschen?
  • Gibt es Platz für eigene Ergänzungen und Ihre Wertvorstellungen?
  • Verlangt der Anbieter vor dem Download eine E-Mail-Adresse oder bietet er kostenpflichtige Beratung an? Bei den vier Downloads oben ist beides nicht nötig.

Was eine wirksame Patientenverfügung braucht

Seit dem 1. Januar 2023 regelt § 1827 BGB die Patientenverfügung (vorher § 1901a BGB). Danach ist sie Ihre schriftliche Festlegung, ob Sie in bestimmte, noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligen oder sie untersagen — für den Fall, dass Sie selbst nicht mehr einwilligen können.

Form: was vorgeschrieben ist — und was nicht

AnforderungVorgeschrieben?Grundlage
Volljährig und einwilligungsfähig beim VerfassenJa§ 1827 Abs. 1 BGB
Schriftform — am PC geschrieben oder von HandJa§ 1827 Abs. 1 BGB
Eigenhändige Namensunterschrift (oder notariell beglaubigtes Handzeichen)Ja§ 126 Abs. 1 BGB
DatumNicht ausdrücklich, aber empfohlenVerbraucherzentrale
Notar oder ZeugenNein§ 1827 BGB verlangt nur die Schriftform
Ärztliche Beratung; Bestätigung der EinwilligungsfähigkeitNein; Beratung empfohlen, Bestätigung optionalBMJV-Broschüre, bayerisches Formular
Regelmäßige ErneuerungNein, aber empfohlenBMJV, Verbraucherzentrale
Eintrag im Zentralen VorsorgeregisterNein, freiwilligvorsorgeregister.de

Sie können Ihre Patientenverfügung jederzeit formlos widerrufen (§ 1827 Abs. 1 Satz 3 BGB) — laut Verbraucherzentrale auch mündlich oder durch ein Handzeichen. Und niemand darf Sie dazu verpflichten: Eine Patientenverfügung darf nicht zur Bedingung für einen Vertrag gemacht werden, etwa für einen Versicherungs- oder Heimvertrag (§ 1827 Abs. 5 BGB).

Wenn später Zweifel an Ihrer Einwilligungsfähigkeit aufkommen könnten, kann eine Ärztin, ein Arzt oder ein Notar sie beim Verfassen bestätigen. Das sieht die BMJV-Broschüre als Option vor; Pflicht ist es nicht.

Konkret statt pauschal: was der Bundesgerichtshof verlangt

Der Bundesgerichtshof hat in drei Beschlüssen (6. Juli 2016, XII ZB 61/16; 8. Februar 2017, XII ZB 604/15; 14. November 2018, XII ZB 107/18) klargestellt: Eine Patientenverfügung bindet unmittelbar nur, wenn sich ihr konkrete Entscheidungen über bestimmte ärztliche Maßnahmen entnehmen lassen. Der Wunsch nach „keinen lebenserhaltenden Maßnahmen“ reicht für sich genommen nicht. Die nötige Konkretisierung kann gelingen, indem Sie bestimmte Maßnahmen benennen oder sich auf ausreichend genau beschriebene Krankheiten oder Behandlungssituationen beziehen. Die BMJV-Broschüre steht nach Angabe des Ministeriums im Einklang mit dieser Rechtsprechung.

Meiden Sie deshalb Begriffe wie „Apparatemedizin“ oder „qualvolles Leiden“ — das BMJV rät davon ab, weil sie offenlassen, was Sie konkret meinen.

Was nicht konkret genug ist, bleibt trotzdem nicht wirkungslos: Dann muss Ihre Vertretung Ihre Behandlungswünsche oder Ihren mutmaßlichen Willen ermitteln und dabei frühere Äußerungen und Wertvorstellungen berücksichtigen (§ 1827 Abs. 2 BGB). Die direkte Bindung an Ihre Festlegung fehlt aber — und damit die Klarheit am Krankenbett.

Diese Bausteine sollte Ihr Formular abdecken

Die BMJV-Broschüre empfiehlt einen festen Aufbau. Die mit Stern markierten Teile sind die eigentlichen Bestandteile; die übrigen helfen, Ihren Willen richtig zu verstehen.

BausteinWorum es geht
Eingangsformel*Ihre Personalien und für welchen Fall die Verfügung gilt: wenn Sie Ihren Willen nicht mehr bilden oder äußern können
Situationen*Wann soll sie gelten? Das BMJV nennt als Beispiele den unmittelbaren Sterbeprozess, das Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit, den voraussichtlich dauerhaften Verlust der Einsichts- und Kontaktfähigkeit nach einer Gehirnschädigung und einen weit fortgeschrittenen Hirnabbau (etwa bei Demenz), bei dem Essen und Trinken auch mit Hilfe nicht mehr gelingt. Eigene Situationen können Sie ergänzen.
Maßnahmen*Was soll in diesen Situationen geschehen oder unterbleiben? Lebenserhaltende Maßnahmen allgemein, Schmerz- und Symptombehandlung, künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, Wiederbelebung, künstliche Beatmung, Dialyse, Antibiotika, Blut und Blutbestandteile
Ort und BeistandKrankenhaus, Zuhause oder Hospiz; wer Sie begleiten soll
SchweigepflichtGegenüber welchen Personen Ärztinnen und Ärzte Auskunft geben dürfen
Verbindlichkeit und AuslegungWessen Einschätzung bei Meinungsverschiedenheiten besonderes Gewicht haben soll
Weitere VorsorgeHinweis auf Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung und darauf, mit wem Sie die Verfügung besprochen haben
OrganspendeWas Vorrang hat, wenn für eine Organspende Maßnahmen nötig wären, die Sie sonst ablehnen
Schlussformel*Ob Sie bei Ihren Festlegungen auf eine weitere ärztliche Aufklärung verzichten
Datum und Unterschrift*Ort, Datum, eigenhändige Unterschrift; später Platz für Bestätigungen
Anhang: WertvorstellungenWas Ihnen im Leben wichtig ist und wovor Sie Angst haben — als Auslegungshilfe

Die Formulierungshilfen dazu finden Sie in den BMJV-Textbausteinen. Das Ministerium versteht sie als Anregungen: Sie können sie übernehmen, anpassen oder damit auch eine andere Mustervorlage ergänzen.

In 6 Schritten zur wirksamen Patientenverfügung

Ablaufgrafik in sechs Karten: 1. Werte klären — was ist mir wichtig, wovor habe ich Angst, dazu die BMJV-Broschüre lesen (empfohlen). 2. Vorlage wählen — BMJV, Verbraucherzentrale, Bayern, Kirchen oder Malteser, alle fünf kostenlos (empfohlen). 3. Konkret festlegen — in welchen Situationen, welche Maßnahmen ja, welche nein (nötig für die Bindungswirkung). 4. Ärztlich beraten — Situationen und Folgen mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen (empfohlen, keine Pflicht). 5. Unterschreiben — ausdrucken, Ort und Datum, eigenhändig unterschreiben, kein Notar nötig (gesetzlich vorgeschrieben). 6. Auffindbar machen — Vorsorgevollmacht erteilen, Hinweiskarte einstecken, Vorsorgeregister optional (empfohlen). Darunter: Danach regelmäßig prüfen und mit neuem Datum bestätigen, sofort anpassen bei neuer Diagnose, vor größeren Eingriffen oder wenn sich die Haltung ändert.
Nur zwei Schritte sind zwingend: konkrete Festlegungen (damit die Verfügung bindet) und die eigenhändige Unterschrift (damit sie formwirksam ist). Rechtsgrundlage § 1827 BGB, Stand Oktober 2026.
  1. Werte klären. Was ist Ihnen wichtig, wovor haben Sie Angst — möchten Sie möglichst lange leben, oder zählt die Lebensqualität mehr? Die BMJV-Broschüre stellt dazu Leitfragen und erklärt die medizinischen Situationen. Nehmen Sie sich Zeit: Auch die Entscheidung, keine Patientenverfügung zu verfassen, ist laut BMJV ein mögliches Ergebnis.
  2. Vorlage wählen. Nutzen Sie den Formular-Finder oben. Wer unsicher ist, fährt mit dem geführten Tool der Verbraucherzentralen gut, weil Erklärtexte durch die Entscheidungen führen.
  3. Situationen und Maßnahmen festlegen. Entscheiden Sie für jede Situation, welche Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen. Prüfen Sie, ob ein Wunsch in allen Situationen gelten soll — etwa der Verzicht auf künstliche Ernährung nur in der Sterbephase oder auch bei fortgeschrittener Demenz. Vermeiden Sie Widersprüche, zum Beispiel „möglichst lange leben“ und zugleich die Ablehnung lebenserhaltender Maßnahmen. Klären Sie auch das Verhältnis zur Organspende.
  4. Ärztlich beraten lassen. Vorgeschrieben ist das nicht, aber das BMJV rät dazu, und das Bayerische Justizministerium empfiehlt es dringend. Sind Sie bereits erkrankt, sprechen Sie über Verlauf, mögliche Komplikationen und Behandlungsmöglichkeiten; Diagnose und aktuelle Medikation können Sie in die Verfügung aufnehmen — ein aktueller Medikamentenplan hilft dabei.
  5. Ausdrucken und unterschreiben. Versehen Sie den Ausdruck mit Ort und Datum und unterschreiben Sie eigenhändig. Ergänzen Sie etwas auf einem Beiblatt, unterschreiben Sie auch dieses mit Datum.
  6. Vertrauensperson einbinden und auffindbar machen. Erteilen Sie einer Person Ihres Vertrauens eine Vorsorgevollmacht für Gesundheitsangelegenheiten und besprechen Sie die Verfügung mit ihr — sie soll Ihren Willen später durchsetzen. Danach: Original an einen festen Ort, Kopien verteilen, Hinweiskarte einstecken (siehe Aufbewahrung unten).

Was kostet die ärztliche Beratung?

Die Formulare kosten nichts. Für das Beratungsgespräch beim Arzt gibt es dagegen keinen festen Preis: Laut Ärztekammer Nordrhein (Stand März 2026) zahlen weder gesetzliche noch private Krankenversicherung die Beratung zur Patientenverfügung oder die Bestätigung der Einwilligungsfähigkeit — die Praxis rechnet nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Gesetzlich Versicherte müssen vorher schriftlich zustimmen, und die Praxis muss Sie vorab in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren (§ 630c Abs. 3 BGB). Fragen Sie nach einer Musterrechnung.

Eine Ausnahme gibt es für Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen (Pflegeheimen) und Einrichtungen der Eingliederungshilfe: Diese können eine „gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“ anbieten, deren Kosten die Krankenkasse trägt (§ 132g SGB V). Fragen Sie in der Einrichtung nach, ob es das Angebot gibt.

Aufbewahrung: Wo die Patientenverfügung liegen sollte

Die beste Verfügung hilft nicht, wenn sie im Ernstfall niemand findet. Das BMJV rät, sie so zu verwahren, dass Ärzte, Bevollmächtigte und gegebenenfalls das Betreuungsgericht schnell und unkompliziert von ihr und ihrem Aufbewahrungsort erfahren. Ärztinnen und Ärzte, Pflegeheime und Gerichte benötigen laut Verbraucherzentrale das Original.

OrtEinschätzung
Original zu Hause an einem festen Ort, etwa im NotfallordnerEmpfohlen — Angehörige und Vertrauensperson müssen den Ort kennen
Kopie bei der bevollmächtigten PersonEmpfohlen — wer Ihren Willen durchsetzen soll, braucht den Text
Kopie bei Hausärztin oder HausarztSinnvoll
Hinweiskarte im PortemonnaieSinnvoll — BMJV und Verbraucherzentrale empfehlen einen Hinweis, wo die Verfügung liegt; die Christliche Patientenvorsorge enthält eine fertige Karte
Bei Aufnahme ins Krankenhaus oder PflegeheimDarauf hinweisen — das empfiehlt die BMJV-Broschüre
Zentrales VorsorgeregisterSinnvolle Ergänzung — Details unten

Zentrales Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer: Seit 2023 lässt sich dort auch eine Patientenverfügung allein registrieren. Betreuungsgerichte erhalten Auskunft, Ärztinnen und Ärzte dann, wenn sie die Information für eine dringende Behandlung brauchen (§ 78b BNotO). Die Gebühr fällt einmalig an: 20,50 € für eine Patientenverfügung allein (online, per Lastschrift), 24,00 € zusammen mit einer Vorsorgevollmacht und einer Vertrauensperson (online, per Lastschrift); per Überweisung oder Post wird es etwas teurer (Stand Oktober 2026, Gebührenübersicht).

Neu seit 1. Oktober 2026: Auf Wunsch kann eine elektronische Abschrift der Verfügung im Register hinterlegt werden. Behandelnde Ärzte und Betreuungsgerichte sehen dann den vollen Text am Bildschirm. Hochladen können nur beim Register zugelassene Stellen wie Notare, Rechtsanwälte, Betreuungsbehörden oder Betreuungsvereine; eine gesonderte Registergebühr dafür erhebt die Bundesnotarkammer nicht (Informationen zum Dokumentenupload). Ob die einreichende Stelle etwas berechnet, erfragen Sie vorher. Wichtig: Ändern oder widerrufen Sie Ihre Verfügung, lassen Sie das Register sofort aktualisieren.

Wie oft sollten Sie die Patientenverfügung aktualisieren?

Eine Patientenverfügung hat kein Ablaufdatum; sie gilt, bis Sie sie widerrufen. Eine Ausnahme schaffen Sie nur selbst: Die BMJV-Textbausteine erlauben eine Befristung, die ohne erneute Unterschrift endet — wer diese Variante wählt, muss rechtzeitig bestätigen.

Empfohlen wird eine regelmäßige Prüfung, die Abstände unterscheiden sich: Das BMJV nennt als Beispiel eine jährliche Bestätigung, die Verbraucherzentrale rät, die Verfügung alle drei Jahre zur Hand zu nehmen. Unabhängig davon sollten Sie sie sofort prüfen bei einer neuen Diagnose, vor größeren Eingriffen oder wenn sich Ihre Haltung geändert hat. Passt alles noch, bestätigen Sie mit neuem Datum und Unterschrift. Hat sich Grundlegendes geändert, verfassen Sie die Verfügung besser neu, statt alte Fassungen zu überschreiben.

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung: Was ist besser?

Die Frage stellt sich so nicht — die Dokumente beantworten unterschiedliche Fragen und ergänzen sich:

DokumentBeantwortet die FrageWas gilt ohne das Dokument?
PatientenverfügungWas soll medizinisch geschehen oder unterbleiben?Ihre Vertretung muss Ihre Behandlungswünsche oder Ihren mutmaßlichen Willen ermitteln
VorsorgevollmachtWer entscheidet für Sie und setzt die Verfügung durch?Das Betreuungsgericht bestellt im Bedarfsfall eine Betreuerin oder einen Betreuer
BetreuungsverfügungWen soll das Gericht als Betreuer einsetzen, falls es dazu kommt?Das Gericht wählt ohne schriftlichen Vorschlag aus; es berücksichtigt andere geäußerte Wünsche sowie familiäre und persönliche Bindungen (§ 1816 BGB)

Das BMJV hält es für sehr empfehlenswert, eine Patientenverfügung mit einer Vorsorgevollmacht für Gesundheitsangelegenheiten oder zumindest mit einer Betreuungsverfügung zu verbinden. Verlassen Sie sich nicht auf den Trauschein: Das Ehegattennotvertretungsrecht nach § 1358 BGB gilt nur für Gesundheitsangelegenheiten, endet spätestens sechs Monate nach dem Zeitpunkt, ab dem Sie laut ärztlicher Bestätigung nicht mehr selbst entscheiden konnten, und greift zum Beispiel nicht, wenn Sie getrennt leben. Auch der vertretende Ehegatte ist an Ihre Patientenverfügung gebunden (§ 1358 Abs. 6 BGB).

Was im Ernstfall mit Ihrer Verfügung passiert

  • Die Ärztin oder der Arzt prüft, welche Maßnahme angezeigt ist, und bespricht sie mit Ihrer Vertretung (§ 1828 Abs. 1 BGB).
  • Ihre Vertretung prüft, ob Ihre Festlegungen auf die aktuelle Lage zutreffen, und verschafft Ihrem Willen Geltung (§ 1827 Abs. 1 BGB). Eine verbindliche Verfügung müssen Ärzte und Pflegekräfte laut BMJV auch dann beachten, wenn niemand als Vertreter bestellt ist.
  • Nahe Angehörige und Vertrauenspersonen sollen Gelegenheit bekommen, sich zu äußern, wenn das ohne erhebliche Verzögerung möglich ist (§ 1828 Abs. 2 BGB).
  • Das Betreuungsgericht muss nur entscheiden, wenn eine Maßnahme, ihr Unterbleiben oder ihr Abbruch die begründete Gefahr des Todes oder eines schweren, länger dauernden Gesundheitsschadens birgt und Arzt und Vertretung sich nicht einig sind, ob die Entscheidung Ihrem Willen entspricht (§ 1829 BGB).
  • Das alles gilt unabhängig von Art und Stadium einer Erkrankung (§ 1827 Abs. 3 BGB). Wer den Patientenwillen missachtet, kann sich laut BMJV wegen Körperverletzung strafbar machen.

Die Patientenverfügung ist nur eines von mehreren Vorsorgedokumenten. Welche bei Ihnen schon geregelt sind und welche noch fehlen, zeigt der kostenlose Vorsorge-Check.

Häufige Fragen zur Patientenverfügung

Wo bekomme ich eine kostenlose Patientenverfügung oder einen Vordruck her?

Kostenlose, seriöse Vorlagen bieten das Bundesjustizministerium (Textbausteine als PDF und Word-Datei), das Bayerische Justizministerium (ausfüllbares Formular in der Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“), die Kirchen (Christliche Patientenvorsorge) und die Malteser. Die Verbraucherzentralen haben einen Online-Assistenten. Gedruckt erhalten Sie die BMJV-Broschüre kostenlos über den Publikationsversand der Bundesregierung, bis zu neun Exemplare der Christlichen Patientenvorsorge kostenlos und die Malteser-Verfügung kostenfrei per Post.

Wo finde ich das Formular zur Patientenverfügung, das ich am PC ausfüllen kann?

Echte Formularfelder haben bei unserer Prüfung am 8. Oktober 2026 die PDFs des Bayerischen Justizministeriums, der Christlichen Patientenvorsorge und der Malteser. Die BMJV-Textbausteine gibt es zusätzlich als Word-Datei, die Sie frei bearbeiten können; das BMJV-PDF selbst hat keine Felder. Der Online-Assistent der Verbraucherzentralen läuft im Browser. In jedem Fall gilt: ausdrucken und eigenhändig unterschreiben. Eine eingescannte Unterschrift oder eine einfache digitale Signatur, etwa in den Signaturfeldern der bayerischen PDF, erfüllt die gesetzliche Schriftform nicht.

Welche ist die beste kostenlose Patientenverfügung?

Eine allgemein beste Vorlage gibt es nicht — welche passt, hängt von Ihrer Haltung ab. Achten Sie auf einen seriösen Herausgeber, ein aktuelles Stand-Datum und eine Struktur aus Situationen und Maßnahmen. Wer geführt werden möchte, nimmt das Tool der Verbraucherzentralen; wer selbst formulieren oder viel Behandlung zulassen will, die BMJV-Bausteine; wer in bestimmten Situationen auf Lebensverlängerung verzichten möchte, findet im bayerischen Formular eine kompakte Ankreuzlösung.

Welche Patientenverfügung ist die beste?

Die beste Patientenverfügung ist die, die Ihren Willen für konkrete Situationen eindeutig festhält, aktuell unterschrieben ist und im Ernstfall gefunden wird. Das Gesetz schreibt kein bestimmtes Muster vor — maßgeblich sind Schriftform, eigenhändige Unterschrift und hinreichend konkrete Festlegungen (§ 1827 BGB). Ein kostenpflichtiges Muster ist deshalb nicht automatisch wirksamer als eine kostenlose Vorlage von Ministerium, Verbraucherzentrale, Kirchen oder Maltesern.

Ist eine Patientenverfügung auch ohne Notar gültig?

Ja. Eine Patientenverfügung muss schriftlich verfasst und eigenhändig unterschrieben sein (§ 1827 Abs. 1 in Verbindung mit § 126 Abs. 1 BGB). Eine notarielle Beurkundung oder Beglaubigung ist nicht nötig, Zeugen ebenfalls nicht. Ein Notar oder eine Ärztin kann auf Wunsch Ihre Einwilligungsfähigkeit beim Verfassen bestätigen — das kann helfen, wenn später daran gezweifelt werden könnte, ist aber keine Voraussetzung.

Wie viel kostet eine Patientenverfügung beim Hausarzt?

Das Formular selbst kostet nichts. Die ärztliche Beratung dazu zahlen laut Ärztekammer Nordrhein weder gesetzliche noch private Krankenkassen; die Praxis rechnet sie nach der Gebührenordnung für Ärzte ab. Einen festen Preis gibt es nicht. Die Praxis muss Sie vorher in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren, gesetzlich Versicherte müssen schriftlich zustimmen. Bitten Sie um eine Musterrechnung. In Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe kann es eine von der Krankenkasse bezahlte Versorgungsplanung geben (§ 132g SGB V).

Was ist besser, Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung?

Keines ersetzt das andere. Die Patientenverfügung legt fest, was medizinisch geschehen soll. Die Vorsorgevollmacht bestimmt, wer für Sie entscheidet und Ihre Verfügung gegenüber Ärzten durchsetzt — auch in Situationen, die die Verfügung nicht regelt. Ohne Vollmacht bestellt das Betreuungsgericht im Bedarfsfall einen Betreuer. Das BMJV empfiehlt deshalb ausdrücklich, beide Dokumente zu kombinieren oder die Verfügung mindestens mit einer Betreuungsverfügung zu verbinden.

Muss ich meine Patientenverfügung regelmäßig erneuern?

Nein. Sie gilt ohne Ablaufdatum, bis Sie sie widerrufen — es sei denn, Sie haben selbst eine Befristung hineingeschrieben. Empfohlen wird trotzdem eine regelmäßige Prüfung: Das BMJV nennt eine jährliche Bestätigung als Beispiel, die Verbraucherzentrale einen Rhythmus von drei Jahren. Bei neuen Diagnosen, vor größeren Eingriffen oder wenn sich Ihre Haltung geändert hat, sollten Sie sie sofort durchsehen und mit neuem Datum bestätigen oder neu verfassen.

Wo sollte ich die Patientenverfügung aufbewahren?

Das Original gehört an einen festen, bekannten Ort zu Hause, etwa in den Notfallordner. Ihre bevollmächtigte Person und Ihre Hausarztpraxis sollten eine Kopie haben, und eine Hinweiskarte im Portemonnaie zeigt im Notfall, wo die Verfügung liegt. Bei der Aufnahme ins Krankenhaus oder Pflegeheim sollten Sie auf sie hinweisen. Ergänzend können Sie die Verfügung im Zentralen Vorsorgeregister registrieren lassen; seit 1. Oktober 2026 lässt sich dort über zugelassene Stellen wie Notare, Anwälte, Betreuungsbehörden oder Betreuungsvereine auch eine elektronische Abschrift hinterlegen.

Darf mein Ehepartner ohne Vollmacht über meine Behandlung entscheiden?

Nur eingeschränkt. Seit 2023 gibt es das Notvertretungsrecht nach § 1358 BGB: Es erlaubt dem Ehegatten Entscheidungen in Gesundheitsangelegenheiten, wenn Sie wegen Bewusstlosigkeit oder Krankheit nicht selbst handeln können. Es endet spätestens sechs Monate nach dem Zeitpunkt, ab dem Sie laut ärztlicher Bestätigung nicht mehr selbst entscheiden konnten, und gilt zum Beispiel nicht bei Getrenntleben. Auch dann ist Ihre Patientenverfügung verbindlich. Für alles darüber hinaus brauchen Sie eine Vorsorgevollmacht.

Kann ich meine Patientenverfügung widerrufen oder ändern?

Ja, jederzeit und formlos (§ 1827 Abs. 1 Satz 3 BGB) — auch mündlich. Damit es später keine Zweifel gibt, sollten Sie eine geänderte Fassung schriftlich neu erstellen, datieren und unterschreiben, alte Kopien bei Vertrauensperson und Arztpraxis austauschen und einen Eintrag im Zentralen Vorsorgeregister aktualisieren lassen. Sonst zeigt das Register womöglich noch die alte Fassung.

Quellen

  • gesetze-im-internet.de — §§ 1827, 1828, 1829 BGB (Patientenverfügung, Gespräch mit dem Arzt, Genehmigung des Betreuungsgerichts), § 1358 BGB (Ehegatten-Notvertretung), § 126 BGB (Schriftform), § 630c BGB, § 1816 BGB, § 132g SGB V, § 78b BNotO, § 2 VRegV (abgerufen 8. Oktober 2026)
  • Bundesgesetzblatt 2021 Teil I S. 882 — Gesetz zur Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts, in Kraft seit 1. Januar 2023
  • bmjv.de — Broschüre „Patientenverfügung“ (Stand Juli 2025), Textbausteine als PDF (September 2021) und Word-Datei (Januar 2023), Hinweis auf die BGH-Beschlüsse vom 6. Juli 2016 (XII ZB 61/16), 8. Februar 2017 (XII ZB 604/15) und 14. November 2018 (XII ZB 107/18)
  • verbraucherzentrale.de — Online-Patientenverfügung „Selbstbestimmt“; Ratgeber „Patientenverfügung: Entscheidungen für den Ernstfall treffen“ (Stand 22. September 2026)
  • justiz.bayern.de — Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“, 22. Auflage, Stand August 2025
  • ekd.de — Christliche Patientenvorsorge der Deutschen Bischofskonferenz, der EKD und weiterer Kirchen der ACK, Neuauflage 2025
  • malteser.de — Malteser Patientenverfügung, Neuauflage 2025
  • justiz.nrw — Hinweis des Justizministeriums NRW zur Patientenverfügung (abgerufen Oktober 2026)
  • vorsorgeregister.de — Bundesnotarkammer: Gebühren, Dokumentenupload seit 1. Oktober 2026, Auskunft an Ärzte (abgerufen Oktober 2026)
  • aekno.de — Ärztekammer Nordrhein: Ärztliche Beratung zur Patientenverfügung, Abrechnung nach GOÄ (Stand März 2026)

Stand: Oktober 2026. Alle Angaben zu Vorlagen, Gebühren und Rechtslage am 8. Oktober 2026 geprüft. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung und keine ärztliche Beratung.

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