Rund um den Notfallordner
Notfallmappe: Inhalt, kostenlose PDF-Vorlagen und am PC ausfüllen
Notfallmappe als PDF: geprüfte Gratis-Vorlagen mit Stand, am PC ausfüllen und richtig speichern, Minimal-Set zum Abhaken — und wann ein Ordner nötig ist.
Inhalt dieses Artikels (10 Abschnitte)
Eine Notfallmappe bündelt, was Rettungsdienst, Klinik und Angehörige im akuten Notfall sofort brauchen: Notfallkontakte, Medikamente, Krankenversicherung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Kostenlose, am PC ausfüllbare PDF-Mappen gibt es zum Beispiel vom Land Hessen und von der berufundfamilie Service GmbH. Speichern Sie die Datei vor dem Ausfüllen — und unterschreiben Sie Vollmacht und Patientenverfügung von Hand.
Hier finden Sie die geprüften Bezugsquellen mit Stand, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ausfüllen am PC, das Minimal-Set zum Abhaken und die Antwort auf die Frage, wann eine Mappe reicht und wann Sie einen vollständigen Notfallordner brauchen.
Kostenlose Notfallmappe als PDF: geprüfte Quellen mit Stand
Wer nach „Notfallmappe“ sucht, landet meist bei PDF-Vordrucken von Ländern, Hochschulen und Verbänden. Wir haben die bekanntesten geöffnet und Herausgeber, Umfang, Stand und Ausfüllbarkeit geprüft (Stand Oktober 2026):
| Mappe | Herausgeber | Umfang und Stand | Am PC ausfüllbar? | Bezug |
|---|---|---|---|---|
| Wichtig-Mappe | Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege mit der Landesseniorenvertretung Hessen | 64 Seiten, Fassung 2025 | ja | PDF bei familie.hessen.de, ohne Anmeldung |
| Notfallmappe „Ich bin vorbereitet“ | berufundfamilie Service GmbH | 80 Seiten (5. Auflage, Mai 2021) | ja | Anforderung bei berufundfamilie.de mit Name und E-Mail-Adresse |
| „Ich bin vorbereitet“, ältere Fassung | berufundfamilie, veröffentlicht vom Landesverwaltungsamt Berlin | 66 Seiten, Stand Juni 2013 | ja | Download beim Landesverwaltungsamt Berlin, ohne Anmeldung |
| Notfallmappe für Pflegesituationen | wir pflegen e. V. mit der Selbsthilfegruppe Pflegende Angehörige Osnabrück | 21 Seiten, Stand September 2023 | ja | Downloads bei wir-pflegen.net, für die private Nutzung |
| Vorsorgevollmacht (Formular) | Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) | 4 Seiten, Stand Januar 2023 | ja | Formulare bei bmjv.de, dort auch die Betreuungsverfügung |
| Patientenverfügung | Verbraucherzentralen, Online-Tool „Selbstbestimmt“ auf Basis der BMJV-Textbausteine | online, Ergebnis zum Ausdrucken | online | Tool bei verbraucherzentrale.de |
| Medikamentenplan | Dein Ordner | 1 Seite zum Ausfüllen, dazu 1 Hinweisseite zum Notfallordner | ja | PDF-Vorlage, ohne Anmeldung |
Die Mappe von wir pflegen e. V. hat einen eigenen Zweck: Sie ist für den Fall gedacht, dass eine pflegende Angehörige plötzlich ausfällt und andere die Versorgung übernehmen müssen. Wer Eltern pflegt, sollte sie zusätzlich ausfüllen.
Achten Sie auf den Stand. Die Reform des Betreuungsrechts gilt seit dem 1. Januar 2023, beide Fassungen von „Ich bin vorbereitet“ sind davor entstanden. Ihr Formularteil — Kontakte, Ärzte, Konten — veraltet dadurch nicht. Die rechtlichen Erläuterungen darin sollten Sie aber mit einer aktuellen Quelle abgleichen, etwa der BMJV-Broschüre „Betreuungsrecht“ (Stand Juli 2025). Auch die Wichtig-Mappe nennt im Vollmachtsteil noch § 1904 BGB in der alten Fassung; die Regel steht seit 2023 in § 1829 BGB.
Die Namen täuschen. Mit 64 bis 80 Seiten sind die Mappen aus Hessen und von berufundfamilie keine schmalen Akut-Mappen, sondern eher vollständige Ordner. Wenn Sie nur das Nötigste griffbereit haben wollen, drucken Sie daraus die Seiten zu Person, Kontakten, Gesundheit und Verfügungen aus — welche das sind, zeigt das Minimal-Set weiter unten.
Gedruckte Notfallmappe kostenlos bestellen?
Ob Sie eine gedruckte Mappe bekommen, hängt vom Wohnort ab. Viele Landkreise, Städte und Seniorenbeiräte geben eigene Mappen heraus, teils nur zum Ausdrucken — die Notfallmappe des Landratsamts Weilheim-Schongau etwa hat 27 Seiten (1. Auflage 2016) und keine Formularfelder. Fragen Sie im Seniorenbüro, beim Pflegestützpunkt oder bei der Betreuungsstelle Ihres Kreises nach.
In Bayern stellt das Justizministerium die Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“ mit Formularen kostenlos als PDF bereit; eine Notfallmappe ist sie nicht. Eine eigene Notfallmappe eines Bundesministeriums haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Vom Bund stammen die BMJV-Formulare und die Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz zur Dokumentenmappe: welche Unterlagen für den Fall einer Evakuierung oder eines Brandes im Original und welche als Kopie in eine griffbereite Mappe gehören.
Weitere Gratis-Angebote mit ihren Stärken und Grenzen bewerten wir im Ratgeber Notfallordner kostenlos.
Notfallmappe am PC ausfüllen: Schritt für Schritt
Beim Tippen geht selten etwas schief, beim Speichern dagegen oft. So bleiben Ihre Eingaben erhalten:
- Datei herunterladen und ablegen. Füllen Sie die PDF nicht im Vorschaufenster des Browsers aus, sondern speichern Sie sie zuerst, etwa in einem Ordner „Notfallmappe“. Die Justiz Niedersachsen empfiehlt für ihre Formulare dasselbe: erst herunterladen, dann im Acrobat Reader ausfüllen — im Browser Microsoft Edge werden sie technisch nicht unterstützt.
- Mit einem PDF-Programm öffnen. Der Acrobat Reader von Adobe ist kostenlos und kann Formulare ausfüllen und speichern. Auf dem Mac füllen Sie Formulare auch mit der App Vorschau aus.
- Felder sichtbar machen. Im Acrobat Reader die Voreinstellungen öffnen (Windows: Strg+K, Mac: Befehlstaste+K), dort unter „Formulare“ die Option „Randfarbe für Felder bei Mauskontakt anzeigen“ wählen. Mit der Tabulatortaste springen Sie ins nächste Feld, Ankreuzkästchen schalten Sie mit der Leertaste oder per Klick um.
- Früh speichern und testen. Speichern Sie nach den ersten Einträgen, schließen Sie die Datei und öffnen Sie sie neu. Sind die Angaben noch da, können Sie weitermachen. Wenn nicht, liegt es meist am Programm, etwa an der Vorschau im Browser oder einer alten Reader-Version — öffnen Sie die Datei dann im aktuellen Acrobat Reader. Klappt es auch dort nicht, ausfüllen und gleich ausdrucken oder eine andere Mappe wählen.
- Seiten ohne Formularfelder. Manche Vordrucke haben keine Felder. Im Acrobat Reader hilft das Werkzeug „Ausfüllen und signieren“, in der App Vorschau fügen Sie eigene Textfelder hinzu.
- Drucken. Fehlen im Ausdruck Einträge, wählen Sie in den erweiterten Druckeinstellungen „Als Bild drucken“.
- Auf Papier unterschreiben. Eine Patientenverfügung muss schriftlich verfasst sein (§ 1827 BGB), und Schriftform verlangt grundsätzlich die eigenhändige Namensunterschrift (§ 126 BGB). Eine eingefügte Bild-Unterschrift ist das nicht. Auch die Verbraucherzentralen weisen darauf hin: Die online erstellte Verfügung gilt erst ausgedruckt und unterschrieben.
Datenschutz: Wohin mit der ausgefüllten Datei?
Die Herausgeber der Mappen weisen selbst darauf hin, wie sensibel die Angaben sind. Speichern Sie die Datei auf einem Gerät mit passwortgeschütztem Benutzerkonto und nicht in einem Ordner, den andere einsehen können. Eine Kopie auf einem USB-Stick bei einer Vertrauensperson schützt vor Datenverlust. Zugangsdaten und PINs gehören nicht in die Datei — wie Sie Passwörter für den Ernstfall regeln, steht im Ratgeber Digitaler Nachlass.
Was gehört in eine Notfallmappe? Das Minimal-Set
Für den Akutfall genügen diese Unterlagen — zum Abhaken:
- Notfallblatt: Name, Geburtsdatum, Anschrift, Krankenkasse mit Versichertennummer, Blutgruppe, falls bekannt — und das Datum, an dem Sie es zuletzt geprüft haben
- Notfallkontakte: die Menschen, die zuerst informiert werden sollen, dazu Hausarztpraxis, Apotheke und gegebenenfalls Pflegedienst
- Medikationsplan: alle Medikamente mit Dosierung. Gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben Anspruch auf einen Medikationsplan in Papierform (§ 31a SGB V). Für alle anderen gibt es unsere Medikamentenplan-Vorlage.
- Diagnosen, Allergien, Implantate: chronische Erkrankungen, Unverträglichkeiten, Herzschrittmacher oder Prothesen, Hilfsmittel wie Hörgerät oder Brille
- Vorsorgevollmacht: das Original oder ein Hinweis, wo es liegt — mehr im Ratgeber Vorsorgevollmacht
- Patientenverfügung: Original oder Kopie mit Hinweis auf das Original — siehe Patientenverfügung
- Betreuungsverfügung, falls vorhanden
- Kopien von Personalausweis und Gesundheitskarte — eine Ausweiskopie dürfen Sie selbst anfertigen, sie muss aber dauerhaft als Kopie erkennbar sein (§ 20 PAuswG)
- Organspende-Erklärung: Der Organspendeausweis gehört ins Portemonnaie; in die Mappe eine Kopie oder der Hinweis auf Ihren Eintrag im Organspende-Register
- Hinweisblatt: Wer kümmert sich um Kinder und Haustiere? Wo liegen Schlüssel, Notfallordner und Testament — und wer hat Zugang zu welchem Original? Bei minderjährigen Kindern gehört der Hinweis auf eine Sorgerechtsverfügung dazu.
Vollmacht und Patientenverfügung sind das Herzstück. Ohne Vollmacht kann Sie weder Ihr Ehepartner noch eines Ihrer Kinder automatisch rechtlich vertreten. Eine Ausnahme gibt es seit dem 1. Januar 2023, das Ehegatten-Notvertretungsrecht (§ 1358 BGB): Es gilt nur für die Gesundheitssorge — etwa die Einwilligung in Behandlungen oder Krankenhausverträge — und höchstens sechs Monate. Für Bankgeschäfte, den Mietvertrag oder andere Verträge außerhalb der Gesundheitssorge gilt es nicht. Einzelheiten: Notvertretungsrecht für Ehegatten.
Original, Kopie oder nur ein Hinweis?
| Unterlage | In die Notfallmappe | Warum |
|---|---|---|
| Vorsorgevollmacht | Original, wenn die bevollmächtigte Person die Mappe kennt — sonst Kopie und Hinweis auf das Original | Bei einer Vollmacht nach BMJV-Muster kann die bevollmächtigte Person nur mit dem Original für Sie handeln. |
| Patientenverfügung | Original oder Kopie mit Hinweis auf das Original | Sie muss schriftlich vorliegen (§ 1827 BGB). |
| Medikationsplan | aktueller Ausdruck | Ein veralteter Plan führt Helfer in die Irre. |
| Personalausweis, Gesundheitskarte | einfache Kopie | Die Originale tragen Sie bei sich; für Ausweise genügt laut BBK eine einfache Kopie. |
| Organspendeausweis | Kopie oder Hinweis | Das Original gehört ins Portemonnaie. |
| Testament | nur Hinweis auf den Aufbewahrungsort | Im Akutfall nicht nötig, der Ort muss aber bekannt sein. |
| Geburts- und Heiratsurkunden | nicht in die Mappe, sondern in den Notfallordner bzw. die Dokumentenmappe | Das BBK empfiehlt Familienurkunden im Original in der Dokumentenmappe. |
Notfallmappe, Notfallordner, Notfallkarte: was wofür?
Die drei Begriffe werden oft gleich verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Ausbaustufen desselben Prinzips — von der Karte für unterwegs bis zum Ordner für alles, was nach den ersten Tagen kommt.
| Notfallkarte | Notfallmappe | Notfallordner | |
|---|---|---|---|
| Wo? | im Portemonnaie | fester, bekannter Ort zu Hause | Regal oder Schrank, Ort bekannt |
| Für wen? | Ersthelfer unterwegs | Rettungsdienst, Klinik, Angehörige | Bevollmächtigte, Angehörige, Erben |
| Wann gebraucht? | in den ersten Minuten | in den ersten Stunden und Tagen | in den Wochen und Monaten danach |
| Inhalt | Name, Kontaktperson, Hinweis auf Vollmacht und Patientenverfügung | das Minimal-Set oben | alle Lebensbereiche: Finanzen, Versicherungen, Verträge, Wohnung, Rente, digitaler Nachlass, Todesfall |
Eine vorgefertigte Informationskarte zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung für das Portemonnaie finden Sie am Ende der BMJV-Broschüre „Betreuungsrecht“.
Die Notfallmappe reicht, wenn …
- Sie allein leben, zur Miete wohnen und überschaubare Finanzen haben
- es Ihnen zunächst um den medizinischen Notfall geht
- bereits ein vollständiger Ordner existiert und Sie nur eine griffbereite Akut-Ausgabe daneben legen wollen
- Sie für Eltern schnell das Nötigste bündeln möchten
Der Notfallordner ist nötig, wenn …
- Sie Verantwortung für andere tragen: Partner, minderjährige Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Haustiere
- Ihre Finanzen mehr umfassen als ein Girokonto: Immobilie, Kredite, Depots, mehrere Versicherungen
- Sie selbstständig sind: Geschäftskonten, laufende Aufträge und Vertretungsregeln gehören nicht in eine Akut-Mappe, müssen aber geregelt sein
- Sie auch eine längere Krankheit und den Todesfall regeln wollen: Verträge, Rente, digitaler Nachlass, Bestattungswünsche
Als Faustregel: Die Mappe beantwortet die Fragen der ersten Stunden und Tage, der Ordner die der Wochen und Monate danach — wenn Kündigungen, Konten, Versicherungen und Behörden auf jemanden warten. Was dafür alles zusammenkommt, zeigt die Checkliste Notfallordner-Inhalt.
Notfallmappe erstellen: in fünf Schritten
- Akut-Daten zuerst. Füllen Sie Notfallblatt und Notfallkontakte aus. Das ist in einer Sitzung erledigt und hilft im Ernstfall sofort.
- Medizinisches ergänzen. Lassen Sie sich in der Arztpraxis den Medikationsplan geben oder führen Sie eine eigene Liste, notieren Sie Allergien und Diagnosen. Fragen Sie bei der Gelegenheit nach dem Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte (mehr dazu unten).
- Vorsorgedokumente erstellen und unterschreiben. Für die Vorsorgevollmacht gibt es das Formular des BMJV, für die Patientenverfügung das Online-Tool der Verbraucherzentralen. Beides ausdrucken und eigenhändig unterschreiben.
- Mappe zusammenstellen. Ein Schnellhefter oder eine Klarsichtmappe genügt, deutlich beschriftet mit „Notfallmappe“. Notfallblatt und Kontakte kommen nach vorn, dann Medizinisches, dann die Verfügungen.
- Ort festlegen und Bescheid sagen. Die bevollmächtigte Person und alle im Haushalt sollten wissen, wo die Mappe liegt. Eine Hinweiskarte im Portemonnaie führt Helfer zu ihr.
Die ausführliche Anleitung für den kompletten Ordner mit allen Lebensbereichen finden Sie im Ratgeber Notfallordner anlegen.
Digitale Notfallmappe: Was geht, was nicht
Eine digitale Notfallmappe ist schnell aktualisiert. Im Ernstfall zählt aber, wer an die Angaben herankommt — und das unterscheidet die Varianten deutlich:
| Variante | Wer kommt im Notfall heran? | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Ausgefülltes PDF auf Ihrem Rechner | nur, wer Gerät und Passwort kennt | Änderungen in Minuten, Daten bleiben bei Ihnen | ohne Ausdruck im Notfall oft unerreichbar |
| Online-Dienst oder App mit Freigabe | freigegebene Vertrauenspersonen, je nach Anbieter | von überall abrufbar | Daten liegen beim Anbieter, Bedingungen und Kosten prüfen |
| Notfallinformationen im Smartphone | bei Android und iPhone (wenn eingeschaltet) auch auf dem gesperrten Gerät sichtbar — für jeden, der es in der Hand hat | Helfer sehen Blutgruppe, Allergien, Medikamente, Kontakte | nur Basisangaben; abwägen, was jeder lesen darf |
| Notfalldatensatz auf der Gesundheitskarte | gedacht für Ärztinnen, Ärzte und Rettungskräfte | von der Praxis angelegt und elektronisch signiert, freiwillig | nur Medizinisches; auf eine neue Karte muss die Praxis ihn übertragen |
Auf dem iPhone heißt die Smartphone-Funktion „Notfallpass“ und wird in der App „Health“ eingerichtet. Der Notfalldatensatz enthält Diagnosen, Medikamente und Allergien; in einem zusätzlichen Datensatz mit persönlichen Erklärungen auf der Karte lässt sich vermerken, wo Organspendeausweis, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht aufbewahrt werden — ein guter Wegweiser zur Papier-Mappe.
Was digital nicht geht: unterschriebene Originale ersetzen. Die bevollmächtigte Person braucht die Vollmacht in der Regel im Original, die Patientenverfügung muss schriftlich vorliegen. Der Verein wir pflegen rät in seiner Mappe ausdrücklich von einer rein digitalen Nutzung ab, weil Angehörige womöglich nicht auf Ihr Gerät zugreifen können oder den Speicherort nicht kennen. Sinnvoll ist deshalb: am PC pflegen, ausgedruckt hinterlegen — und nach jeder Änderung neu drucken.
Aufbewahrung: Wo die Notfallmappe liegen sollte
- Fester, bekannter Ort: Alle im Haushalt sollten wissen, wo die Mappe liegt. Das empfiehlt auch das BBK für die Dokumentenmappe.
- Nicht verstecken, nicht wegschließen: Eine Mappe, die im Ernstfall niemand findet, hilft niemandem. Sensibles wie Zugangsdaten bewahren Sie getrennt auf.
- Bankschließfach nur für den Zweitsatz: Für das Original der Mappe ist es ungeeignet, weil im Ernstfall erst jemand mit Zugangsberechtigung zur Bank muss. Für Kopien nennt das BBK das Schließfach als Möglichkeit — ebenso Verwandte, Freunde, Notar oder Anwalt.
- Vollmacht in Reichweite der bevollmächtigten Person: Das BMJV nennt unter anderem diese Wege — ein leicht zugänglicher Ort, den die bevollmächtigte Person kennt; die Übergabe an sie selbst mit der Absprache, die Vollmacht nur im besprochenen Fall zu nutzen; oder die Verwahrung bei einer weiteren Vertrauensperson, die sie im Bedarfsfall aushändigt.
- Zentrales Vorsorgeregister: Bei der Bundesnotarkammer lassen sich Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung registrieren. Betreuungsgerichte fragen dort nach, seit dem 1. Januar 2023 auch Ärztinnen und Ärzte, wenn sie über eine dringende Behandlung entscheiden müssen. Wer selbst registriert, lässt nur die Angaben eintragen, nicht die Urkunde. Seit dem 1. Oktober 2026 kann zusätzlich eine elektronische Abschrift hinterlegt werden, die Ärztinnen, Ärzte und Betreuungsgerichte dann am Bildschirm einsehen können — allerdings nur über dafür zugelassene Stellen wie Notare, Anwälte, Betreuungsbehörden oder Betreuungsvereine. Die Gebühr fällt einmalig an: online 24,00 € mit Lastschrift oder 26,50 € per Überweisung, per Post 27,00 € bzw. 29,50 €. Das gilt für eine eingetragene Vertrauensperson; jede weitere kostet 3,50 € (online) bzw. 4,00 € (Post) zusätzlich (Stand Oktober 2026).
Typische Fehler bei Notfallmappen
- Ausgefüllt, aber nicht unterschrieben: Eine Vollmacht oder Patientenverfügung ohne eigenhändige Unterschrift erfüllt ihren Zweck nicht.
- Im Browser getippt, nie gespeichert: Die Eingaben sind beim nächsten Öffnen weg — deshalb immer erst herunterladen und den Speichertest machen.
- Veralteter Stand: abgesetzte Medikamente, alte Telefonnummern, ein Vordruck mit Rechtshinweisen von vor 2023. Ein Prüfdatum auf dem Notfallblatt zeigt Helfern, wie aktuell die Angaben sind.
- Zu gut versteckt: Die Mappe liegt so sicher, dass sie niemand findet.
- Zugangsdaten offen in der Mappe: PINs und Passwörter gehören nicht in eine Mappe, die offen zugänglich sein soll.
- Mappe statt Ordner bei komplexer Lage: Wer Immobilie, Familie oder Selbstständigkeit auf wenigen Blättern abbilden will, wiegt sich in falscher Sicherheit.
Häufige Fragen zur Notfallmappe
Was gehört alles in eine Notfallmappe?
Für den Akutfall: ein Notfallblatt mit Ihren Stammdaten und der Krankenkasse, Notfallkontakte, ein aktueller Medikationsplan, Diagnosen und Allergien, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung (Original oder Hinweis auf das Original), Kopien von Ausweis und Gesundheitskarte, ein Hinweis zur Organspende und ein Blatt, wo Schlüssel, Ordner und Testament liegen. Wichtiger als jedes Detail: Vollmacht und Verfügung sind unterschrieben und auffindbar.
Woher bekomme ich eine Notfallmappe?
Kostenlos als PDF zum Beispiel die Wichtig-Mappe des Landes Hessen (64 Seiten, ohne Anmeldung) und die Mappe „Ich bin vorbereitet“ der berufundfamilie Service GmbH, die Sie mit Name und E-Mail-Adresse anfordern. Viele Landkreise und Städte geben eigene Mappen heraus, teils nur zum Ausdrucken. Die Formulare für Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung gibt es beim Bundesjustizministerium.
Wie erstelle ich eine Notfallmappe?
In fünf Schritten: Notfallblatt und Kontakte ausfüllen, medizinische Angaben mit Medikationsplan ergänzen, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung erstellen und von Hand unterschreiben, alles in einen beschrifteten Hefter legen und einen festen Ort wählen, den die bevollmächtigte Person kennt. Fangen Sie am besten mit der Vollmacht an.
Kann ich eine Notfallmappe am PC ausfüllen und speichern?
Ja, wenn die PDF Formularfelder hat — das gilt etwa für die Wichtig-Mappe aus Hessen und die Mappe „Ich bin vorbereitet“. Laden Sie die Datei zuerst herunter, öffnen Sie sie im kostenlosen Acrobat Reader oder auf dem Mac in der App Vorschau und testen Sie nach den ersten Einträgen, ob das Speichern klappt. Unterschreiben müssen Sie Vollmacht und Patientenverfügung trotzdem auf Papier.
Gibt es eine Vorlage für einen Notfallordner?
Ja. Kostenlose Vorlagen, die über das Akut-Set hinausgehen und auch Finanzen, Wohnen und Versicherungen abdecken, sind die genannten Mappen aus Hessen und von berufundfamilie; einen Überblick weiterer Angebote gibt unser Ratgeber Notfallordner kostenlos. Rechtsdokumente sollten Sie nicht aus beliebigen Vorlagen übernehmen, sondern aus den Mustern des Bundesjustizministeriums oder dem Online-Tool der Verbraucherzentralen erstellen.
Was gehört in einen privaten Notfallordner?
Alles aus der Notfallmappe und dazu die übrigen Lebensbereiche: Konten und Kredite, Versicherungen, Wohnung oder Immobilie, Verträge und Abos, Rente und Steuern, Zugänge für den digitalen Nachlass, der Ort des Testaments und Wünsche für die Bestattung. Familienurkunden wie Geburts- und Heiratsurkunde gehören im Original in den Ordner oder in eine Dokumentenmappe.
Ist eine digitale Notfallmappe sinnvoll?
Als Arbeitsversion ja: Ein ausfüllbares PDF ist in Minuten aktualisiert. Als einzige Lösung nicht, denn im Notfall kommen Angehörige oft nicht an Ihr Gerät, und Vollmacht und Patientenverfügung brauchen die Papierform mit Unterschrift. Ergänzend können Sie Notfallinformationen im Smartphone hinterlegen und Ihre Arztpraxis bitten, einen Notfalldatensatz auf der Gesundheitskarte zu speichern.
Kann ich eine gedruckte Notfallmappe kostenlos bestellen?
Das hängt vom Wohnort ab. Viele Landkreise, Städte und Seniorenbeiräte geben eigene Mappen heraus, die Sie im Rathaus, Seniorenbüro oder Pflegestützpunkt bekommen oder als PDF herunterladen. Fragen Sie dort nach. In Bayern gibt es beim Justizministerium die Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“ mit Formularen kostenlos als PDF, gedruckt gegen Bezahlung im Buchhandel.
Wie oft sollte ich die Notfallmappe aktualisieren?
Immer dann, wenn sich etwas ändert: neues Medikament, neue Diagnose, Umzug, neue Telefonnummer einer Kontaktperson, Wechsel der Krankenkasse. Zusätzlich lohnt ein fester Termin im Jahr, etwa zum Jahreswechsel. Notieren Sie das Prüfdatum auf dem Notfallblatt, damit Helfer sehen, wie aktuell die Angaben sind. Ändert sich Ihr Wille, passen Sie auch die Patientenverfügung an.
Darf mein Ehepartner ohne Vollmacht für mich entscheiden?
Nur eingeschränkt. Seit dem 1. Januar 2023 dürfen sich Ehegatten in Gesundheitsfragen gegenseitig vertreten, wenn einer wegen Bewusstlosigkeit oder Krankheit nicht selbst entscheiden kann (§ 1358 BGB). Das gilt höchstens sechs Monate, der behandelnde Arzt muss die Voraussetzungen schriftlich bestätigen, und es gilt nicht, wenn Sie getrennt leben, ein Betreuer dafür bestellt ist oder bekannt ist, dass Sie die Vertretung ablehnen oder jemand anderen dafür bevollmächtigt haben. Für Konten, Mietvertrag und andere Verträge braucht Ihr Partner eine Vollmacht — sonst kann das Betreuungsgericht eine Betreuung anordnen (§ 1814 BGB).
Ist eine Notfallmappe auch für junge Menschen sinnvoll?
Ja. Mit 18 Jahren endet die elterliche Sorge — danach dürfen auch Eltern nicht mehr automatisch für ihr Kind entscheiden. Wer in Ausbildung oder Studium ist, braucht meist keinen dicken Ordner, aber eine schlanke Mappe mit Kontakten, Medizinischem und einer Vorsorgevollmacht. Mit Familie, Immobilie oder Selbstständigkeit wächst sie dann zum Ordner.
Quellen
- familie.hessen.de — Wichtig-Mappe, Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege mit der Landesseniorenvertretung Hessen (PDF, 64 Seiten, Fassung 2025; geprüft Oktober 2026)
- berufundfamilie.de — Notfallmappe „Ich bin vorbereitet“, Bezugsweg und Nutzungshinweise (abgerufen Oktober 2026); Umfang laut 5. Auflage, Mai 2021
- berlin.de — Landesverwaltungsamt Berlin: Notfallmappe zum Download (Stand Juni 2013)
- wir-pflegen.net — Notfallmappe von wir pflegen e. V. und der Selbsthilfegruppe Pflegende Angehörige Osnabrück (Stand September 2023)
- weilheim-schongau.de — Notfallmappe des Landratsamts Weilheim-Schongau (1. Auflage Januar 2016)
- justiz.bayern.de — Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“ (22. Auflage, abgerufen Oktober 2026)
- bbk.bund.de — Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Dokumente sichern, Empfehlungen zur Dokumentenmappe (abgerufen Oktober 2026)
- bmjv.de — Formulare Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung (Stand Januar 2023), Textbausteine Patientenverfügung, Broschüre „Betreuungsrecht“ (Stand Juli 2025)
- verbraucherzentrale.de — Online-Tool „Selbstbestimmt“ zur Patientenverfügung (abgerufen Oktober 2026)
- gesetze-im-internet.de — §§ 2, 126, 1358, 1626, 1814, 1827, 1829 BGB; § 31a SGB V; § 20 PAuswG; § 78a BNotO; §§ 1, 2 VRegV
- vorsorgeregister.de — Zentrales Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer: registrierbare Dokumente, Dokumentenupload seit 1. Oktober 2026, Auskunft an Gerichte und Ärzte, Gebühren (Stand Oktober 2026)
- gesund.bund.de — Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte (Stand 26.11.2024)
- organspende-info.de — Organspende-Register (seit 18. März 2024)
- justizportal.niedersachsen.de — Hinweise zum Ausfüllen von PDF-Formularen mit dem Acrobat Reader (Stand November 2025)
- adobe.com, support.apple.com, support.google.com — Acrobat Reader (kostenlos, Formulare ausfüllen und speichern), Formulare in der App Vorschau, Notfallinformationen auf Android, Notfallpass in der App Health (abgerufen Oktober 2026)
Stand: Oktober 2026. Alle Angaben zu Vorlagen, Gebühren und Rechtslage wurden im Oktober 2026 an den genannten Quellen geprüft. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung und keine ärztliche Beratung.
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