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Sorgerechtsverfügung: So bestimmen Sie den Vormund für Ihr Kind
Sorgerechtsverfügung nach § 1782 BGB: wann sie greift, was hineingehört, warum Handschrift oder Notar Pflicht ist und was Amtsgericht und Notar kosten.
Inhalt dieses Artikels (12 Abschnitte)
Mit einer Sorgerechtsverfügung legen Eltern fest, wer Vormund ihres minderjährigen Kindes werden soll, wenn sie sterben — und wer auf keinen Fall. Sie muss wie ein Testament vollständig von Hand geschrieben und unterschrieben oder notariell beurkundet sein. An die Benennung ist das Familiengericht grundsätzlich gebunden (§§ 1782, 1783 BGB).
Muster gesucht? Warum Sie den Text selbst schreiben müssen
Wer nach einem Muster sucht, findet im Netz viele Vorlagen. Entscheidend ist aber nicht der Wortlaut, sondern die Form: Die Benennung eines Vormunds ist nach § 1782 BGB eine letztwillige Verfügung. Ohne Notar ist sie nur wirksam, wenn Sie den gesamten Text eigenhändig schreiben und unterschreiben (§ 2247 BGB).
Ein am Computer ausgefülltes Formular oder ein Vordruck zum Ankreuzen erfüllt diese Form nicht. Deshalb finden Sie hier keinen Mustertext, sondern weiter unten eine Liste aller Angaben, die hineingehören. Wer sich an amtlichen Stellen informieren möchte, findet dort Erklärungen — ein Formular zum Ausfüllen bietet keine der folgenden Stellen an:
| Quelle | Herausgeber | Format | Am PC ausfüllbar? | Was Sie dort finden |
|---|---|---|---|---|
| Broschüre „Das Vormundschaftsrecht“ | Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz | PDF, Stand Juli 2026 | nein (Information) | Wie Vormundschaft funktioniert; Abschnitt 13 zeigt an einem Beispiel, wie Eltern in einem gemeinschaftlichen Testament einen Vormund benennen |
| Sorgerechtsverfügung bei Gericht hinterlegen | Sächsisches Staatsministerium der Justiz (amt24) | Webseite, Freigabe 10.03.2026 | nein | Form und Ablauf der Hinterlegung beim Nachlassgericht; die Angaben zur Gebühr, zur Trennung der Vermögenssorge und zum Widerruf entsprechen nicht dem geltenden Recht (siehe Abschnitte zu Kosten und Widerruf) |
| Sorgerechtsverfügung bei Gericht hinterlegen | Hessisches Ministerium der Justiz | Webseite, fachliche Freigabe 04.12.2019 | nein | Form und Ablauf; nicht mehr aktuell sind die Gebühr von 75 €, die Paragrafenangaben und die Hinweise zur Vermögenssorge und zum Widerruf durch Rückgabe |
| § 1782 BGB und Folgevorschriften | Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz / Bundesamt für Justiz | Gesetzestext | — | Benennung, Ausschluss und Übergehen der benannten Person |
Achten Sie bei Vorlagen aus dem Netz auf den Rechtsstand. Seit dem 1. Januar 2023 regelt § 1782 BGB die Benennung durch die Eltern. Die §§ 1776 und 1777 BGB betreffen heute Pfleger — wer sie als Rechtsgrundlage für das Benennungsrecht nennt, arbeitet mit der alten Nummerierung.
Was passiert mit den Kindern, wenn ein Elternteil stirbt?
Ob eine Sorgerechtsverfügung überhaupt zum Zug kommt, hängt davon ab, wer nach dem Tod noch sorgeberechtigt ist. Einen Vormund braucht ein Kind, wenn es nicht unter elterlicher Sorge steht oder seine Eltern es nicht vertreten dürfen (§ 1773 BGB).
- Gemeinsame Sorge: Stirbt ein Elternteil, steht die Sorge dem anderen allein zu — ohne Gerichtsverfahren (§ 1680 Abs. 1 BGB). Das gilt auch für getrennt lebende oder geschiedene Eltern, solange sie die Sorge gemeinsam hatten.
- Alleinsorge des Verstorbenen: War der verstorbene Elternteil allein sorgeberechtigt — etwa die Mutter ohne Sorgeerklärungen (§ 1626a Abs. 3 BGB) oder nach einer gerichtlichen Übertragung (§ 1671 BGB) —, überträgt das Familiengericht die Sorge dem anderen Elternteil, wenn das dem Wohl des Kindes nicht widerspricht (§ 1680 Abs. 2 BGB).
- Kein sorgeberechtigter Elternteil mehr: Dann ordnet das Familiengericht eine Vormundschaft an. Erst jetzt entscheidet Ihre Sorgerechtsverfügung darüber, wer Vormund wird.
Was passiert ohne Sorgerechtsverfügung?
Ohne wirksame Benennung wählt das Familiengericht selbst den Vormund aus, der am besten geeignet ist (§ 1778 BGB). Es berücksichtigt den Willen des Kindes, seine Bindungen, sein religiöses Bekenntnis und seinen kulturellen Hintergrund sowie den „wirklichen oder mutmaßlichen Willen der Eltern“. Ein formloser Brief kann also ein Hinweis auf Ihren Wunsch sein — binden kann er das Gericht nicht.
Das Jugendamt schlägt dem Gericht geeignete Personen vor und muss begründen, wie es gesucht hat (§ 53 SGB VIII). Eine geeignete Person, die bereit ist, die Vormundschaft ehrenamtlich zu führen, hat Vorrang vor Berufsvormund, Vereinsvormund und Jugendamt (§ 1779 Abs. 2 BGB). Einen Automatismus zugunsten von Großeltern, Paten oder Geschwistern der Eltern gibt es nicht.
Solange die Auswahl noch nicht abgeschlossen ist, bestellt das Gericht einen vorläufigen Vormund — ein Jugendamt oder einen anerkannten Vormundschaftsverein (§§ 1774 Abs. 2, 1781 BGB). Den endgültigen Vormund muss es binnen drei Monaten ab Bestellung des vorläufigen Vormunds bestellen; die Frist lässt sich um höchstens drei weitere Monate verlängern (§ 1781 Abs. 3 BGB).
Was die Benennung bewirkt — und wann das Gericht abweichen darf
Mit einer wirksamen Benennung muss das Gericht nicht mehr selbst aussuchen: Es überträgt die Vormundschaft der benannten Person (§ 1778 Abs. 1 BGB). Das Bundesjustizministerium formuliert es so, dass das Familiengericht an die Benennung der Eltern „grundsätzlich gebunden“ ist. Ohne ihre Zustimmung darf die benannte Person nur in diesen fünf Fällen übergangen werden (§ 1783 Abs. 1 BGB):
| Grund nach § 1783 BGB | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|
| Ausschlussgrund nach § 1784 BGB | Wer geschäftsunfähig ist, kann nicht Vormund werden. In der Regel nicht Vormund werden sollen unter anderem Minderjährige, von den Eltern ausgeschlossene Personen und Personen mit einer rechtlichen Betreuung, die die für die Vormundschaft wesentlichen Angelegenheiten umfasst, oder mit einem Einwilligungsvorbehalt. |
| Die Bestellung widerspräche dem Wohl des Kindes | Das Gericht prüft die Eignung — Kenntnisse, persönliche Eigenschaften, Lebensverhältnisse, Fähigkeit zur Zusammenarbeit (§ 1779 Abs. 1 BGB). |
| Ihr Kind ist mindestens 14 Jahre alt und widerspricht | Dann darf das Gericht eine andere Person bestellen. Beziehen Sie ältere Kinder deshalb früh ein. |
| Die Person ist rechtlich oder tatsächlich verhindert | War die Verhinderung nur vorübergehend, kann die Person innerhalb von sechs Monaten nach der Bestellung des bisherigen Vormunds beantragen, an dessen Stelle zu treten; das Gericht gibt dem statt, wenn das dem Kindeswohl nicht widerspricht und ein Kind ab 14 Jahren nicht widerspricht (§ 1783 Abs. 2 BGB). |
| Keine Bereitschaft binnen vier Wochen | Erklärt sich die Person nicht innerhalb von vier Wochen nach der Aufforderung des Gerichts zur Übernahme bereit, darf es eine andere Person wählen. |
Zwei Regeln gelten für jede Benennung. Erstens wirkt sie nur, wenn Ihnen bei Ihrem Tod die Sorge für die Person und das Vermögen des Kindes zustand (§ 1782 Abs. 1 BGB). Zweitens gilt bei widersprüchlichen Verfügungen der Eltern die des Elternteils, der zuletzt verstorben ist (§ 1782 Abs. 2 BGB). Benennen und ausschließen können Sie übrigens schon vor der Geburt Ihres Kindes.
Die Form: von Hand oder beim Notar
Für die Sorgerechtsverfügung gelten die Formvorschriften des Testaments. Welche der beiden Formen passt, zeigt der Vergleich:
| Eigenhändig | Notariell | |
|---|---|---|
| So geht es | Den gesamten Text selbst von Hand schreiben und unterschreiben (§ 2247 Abs. 1 BGB) | Sie erklären dem Notar Ihren Willen oder übergeben ihm eine Schrift; er beurkundet (§ 2232 BGB) |
| Ort, Datum, Unterschrift | Ort und Datum sollen dastehen, die Unterschrift soll Vor- und Familiennamen enthalten (§ 2247 Abs. 2 und 3 BGB) | Teil der notariellen Urkunde |
| Ehepaare | Gemeinsam möglich: Einer schreibt den Text, beide unterschreiben (§ 2267 BGB); ebenso eingetragene Lebenspartner (§ 10 Abs. 4 LPartG) | Gemeinsam möglich |
| Unverheiratete Eltern | Jeder Elternteil schreibt eine eigene Verfügung — ein gemeinschaftliches Testament können nur Ehegatten errichten (§ 2265 BGB) | Jeder Elternteil eine eigene Verfügung |
| Kosten | 0 € (Verwahrung beim Amtsgericht freiwillig, siehe unten) | Notargebühr nach GNotKG, dazu die Verwahrung, die der Notar veranlasst (§ 34 BeurkG) |
| Wann naheliegend | Klare Familienlage, Sie können und wollen von Hand schreiben | Patchwork, Regelungen zum Vermögen der Kinder, Unsicherheit beim Formulieren; wer Geschriebenes nicht lesen kann, kann nur vor dem Notar verfügen (§§ 2233 Abs. 2, 2247 Abs. 4 BGB) |
Typische Formfehler, die eine Benennung unwirksam machen oder entwerten:
- Am PC geschrieben, nur unterschrieben. Das ist keine eigenhändige Verfügung. Das Gericht kann den Text höchstens als Hinweis auf Ihren Willen werten (§ 1778 Abs. 2 Nr. 2 BGB), gebunden ist es nicht.
- Unverheiratete Eltern schreiben ein gemeinsames Dokument. Ein gemeinschaftliches Testament ist Ehegatten vorbehalten. Jeder Elternteil braucht eine eigene, vollständig handschriftliche oder notarielle Verfügung.
- Ein unverheiratetes Paar als gemeinsame Vormünder. Gemeinsam benennen lässt sich nur ein Ehepaar (§ 1782 Abs. 1 BGB). Bei anderen Paaren benennen Sie eine Person und die andere als Ersatz.
- Widersprüchliche Verfügungen der Eltern. Dann gilt die des zuletzt Verstorbenen — und damit möglicherweise nicht die Person, auf die Sie sich geeinigt hatten.
Die Einzelheiten zur eigenhändigen Form erklärt unser Ratgeber Testament handschriftlich schreiben. Wenn Sie als Ehepaar ohnehin ein gemeinschaftliches Testament planen, lässt sich die Benennung dort aufnehmen — mehr dazu im Ratgeber zum Berliner Testament.
Was in die Verfügung gehört
Diese Angaben sollte Ihre Verfügung in eigenen Worten enthalten — als Prüfliste, nicht als Formulierungsvorlage:
- Eine klare Überschrift, aus der hervorgeht, dass Sie einen Vormund benennen.
- Ihre Personalien: vollständiger Name, Geburtsdatum, Anschrift.
- Jedes Kind mit Namen und Geburtsdatum. Für ein erwartetes Kind ist die Benennung schon vor der Geburt möglich (§ 1782 Abs. 1 Satz 2 BGB).
- Die benannte Person mit vollständigem Namen, Geburtsdatum und Wohnort, damit keine Verwechslung möglich ist — oder ein Ehepaar als gemeinsame Vormünder.
- Eine oder mehrere Ersatzpersonen in fester Reihenfolge für den Fall, dass die erste Wahl ausfällt.
- Optional: Ausschlüsse. Eine ausgeschlossene Person soll in der Regel nicht Vormund werden (§ 1784 Abs. 2 Nr. 3 BGB). Eine Begründung schreibt das Gesetz nicht vor; bleiben Sie sachlich, wenn Sie eine geben.
- Optional: Vermögen, das Ihr Kind von Ihnen erbt. Sie können bestimmen, dass der Vormund oder der andere Elternteil dieses Vermögen nicht verwaltet, und dafür einen Zuwendungspfleger benennen (§§ 1638, 1811 BGB). Eine Aufteilung der Vormundschaft selbst in Personen- und Vermögenssorge sieht § 1782 BGB nicht vor. Lassen Sie sich hierzu beraten.
- Optional: Wünsche zu Wohnort, Schule, Religion, Kontakt zu Verwandten oder dazu, dass Geschwister zusammenbleiben. Der Vormund führt sein Amt unabhängig (§ 1790 Abs. 1 BGB) — Ihre Wünsche binden ihn nicht, geben ihm aber Orientierung.
- Falls es frühere Verfügungen gibt: ausdrücklich festhalten, dass sie aufgehoben sind (siehe Abschnitt „Ändern oder widerrufen“).
- Ort, Datum und Unterschrift mit Vor- und Familiennamen.
Sollen Geschwister zusammenbleiben, benennen Sie für alle Kinder dieselbe Person. Das Gesetz sieht für Geschwister ohnehin in der Regel nur einen Vormund vor (§ 1775 Abs. 2 BGB).
Den richtigen Vormund auswählen — mit den Maßstäben des Gerichts
Das Familiengericht prüft jede benannte Person auf ihre Eignung. Wenn Sie die gesetzlichen Kriterien vorab selbst durchgehen, sinkt das Risiko, dass Ihre Wahl daran scheitert:
| Kriterium im Gesetz | Ihre Prüffrage |
|---|---|
| Kenntnisse und Erfahrungen (§ 1779 Abs. 1 Nr. 1 BGB) | Traut sich die Person Schule, Ämter, Ärzte und Geldangelegenheiten für Ihr Kind zu? |
| Persönliche Eigenschaften (Nr. 2) | Ist sie verlässlich und belastbar, auch über viele Jahre? |
| Persönliche Verhältnisse und Vermögenslage (Nr. 3) | Wie sehen Gesundheit, Wohnsituation, Beruf und eigene Familie aus? |
| Fähigkeit zur Zusammenarbeit (Nr. 4) | Kann sie mit Pflegeeltern, Schule, Jugendamt und Ihrer übrigen Familie zusammenarbeiten? |
| Bindungen und Wille des Kindes (§ 1778 Abs. 2 BGB) | Kennt Ihr Kind die Person? Was sagt es selbst dazu? |
| Religiöses Bekenntnis, kultureller Hintergrund (§ 1778 Abs. 2 BGB) | Passt das zu dem, was Ihrem Kind vertraut ist? |
Sprechen Sie unbedingt vorher mit der Person. Zum Vormund bestellt wird nur, wer sich bereit erklärt (§ 1785 Abs. 2 BGB). Ein Vormund sorgt für Person und Vermögen des Kindes und vertritt es (§ 1789 BGB). Er soll es in der Regel einmal im Monat in seiner gewohnten Umgebung besuchen (§ 1790 Abs. 3 BGB) und steht unter der Aufsicht des Familiengerichts.
Vormund zu sein heißt nicht zwingend, das Kind im eigenen Haushalt aufzunehmen. Die Broschüre des Bundesjustizministeriums beschreibt auch den Fall, dass ein Vormund mit Unterstützung des Jugendamts eine Pflegefamilie sucht. Führt die benannte Person die Vormundschaft ehrenamtlich, kann das Gericht mit ihrem Einverständnis einzelne Angelegenheiten einem zusätzlichen Pfleger übertragen, wenn das dem Kind dient (§ 1776 BGB).
Sonderfälle: getrennt, unverheiratet, alleinerziehend, Patchwork
Wie viel Ihre Verfügung bewirken kann, hängt von der Sorgerechtslage ab. Die häufigsten Konstellationen im Überblick:
| Ihre Situation | Was beim Tod eines Elternteils passiert | Was Ihre Verfügung leisten kann |
|---|---|---|
| Gemeinsame Sorge — verheiratet, getrennt, geschieden oder per Sorgeerklärung | Der andere Elternteil hat die Sorge allein (§ 1680 Abs. 1 BGB) | Sie greift erst, wenn auch der andere Elternteil stirbt oder kein Elternteil mehr die Sorge hat |
| Sie sind allein sorgeberechtigt (§ 1626a Abs. 3 oder § 1671 BGB) | Das Gericht überträgt die Sorge dem anderen Elternteil, wenn das dem Kindeswohl nicht widerspricht (§ 1680 Abs. 2 BGB) | Ihre Benennung wird wirksam, wenn das Gericht die Sorge nicht überträgt |
| Sie sind nicht sorgeberechtigt | Der andere Elternteil behält die Sorge | Ihre Benennung wirkt nicht, weil Ihnen bei Ihrem Tod die Sorge fehlt (§ 1782 Abs. 1 BGB) |
| Patchwork: Ihr Kind lebt mit Ihnen und Ihrem Ehegatten (Stiefelternteil) | Der Stiefelternteil erhält kein Sorgerecht. Will der andere Elternteil das Kind zu sich holen, kann das Gericht aber anordnen, dass es beim Stiefelternteil bleibt, solange eine Wegnahme das Kindeswohl gefährden würde (§ 1682 BGB) | Wird ein Vormund nötig, hat der Stiefelternteil Vorrang nur, wenn Sie ihn benennen |
Die Verbleibensanordnung nach § 1682 BGB setzt voraus, dass das Kind längere Zeit mit dem Elternteil und der betreffenden Person in einem Haushalt gelebt hat. Sie gilt außer für Ehegatten auch für eingetragene Lebenspartner sowie für volljährige Großeltern und Geschwister des Kindes. Einen unverheirateten Lebensgefährten nennt die Vorschrift nicht.
Sind Sie allein sorgeberechtigt und halten Sie eine Übertragung auf den anderen Elternteil für schädlich, können Sie Ihre Gründe schriftlich festhalten. Das Gericht prüft das Kindeswohl selbst; Ihre Darstellung kann ihm Anhaltspunkte geben, bindet es aber nicht. In solchen Konstellationen ist eine Beratung bei einer Fachanwältin für Familienrecht oder einem Notar sinnvoll.
Hinterlegen beim Amtsgericht: Ablauf und Kosten
Eine Sorgerechtsverfügung ist auch wirksam, wenn sie zu Hause liegt. Sie nützt aber nur, wenn sie nach Ihrem Tod rechtzeitig gefunden wird. Am sichersten ist die besondere amtliche Verwahrung, die Sie für eine handschriftliche Verfügung jederzeit verlangen können (§ 2248 BGB). So läuft sie ab:
- Original fertigstellen — vollständig von Hand oder notariell. Bei einer notariellen Verfügung veranlasst der Notar die Verwahrung selbst (§ 34 BeurkG).
- Zum Amtsgericht bringen. Für eine eigenhändige Verfügung ist jedes Amtsgericht als Nachlassgericht zuständig (§ 344 Abs. 1 Nr. 3 FamFG). Das nächste Gericht finden Sie im Orts- und Gerichtsverzeichnis der Justiz.
- Annahme und Hinterlegungsschein. Das Gericht protokolliert die Annahme; Sie erhalten einen Hinterlegungsschein (§ 346 Abs. 3 FamFG) und einen Kostenbescheid.
- Meldung an das Zentrale Testamentsregister. Das Gericht übermittelt die Verwahrangaben eines eigenhändigen Testaments an das Register der Bundesnotarkammer (§ 347 FamFG).
- Im Todesfall eröffnet das Nachlassgericht die Verfügung, sobald es vom Tod erfährt (§ 348 FamFG).
| Posten | Betrag (Stand Oktober 2026) | Grundlage |
|---|---|---|
| Eigenhändig schreiben | 0 € | — |
| Annahme in die besondere amtliche Verwahrung | 82 € einmalig — deckt Verwahrung, Meldung an das Register und Herausgabe ab | Nr. 12100 KV GNotKG |
| Registrierung im Zentralen Testamentsregister | 15,50 € je Erblasser (beim gemeinschaftlichen Testament also zweimal), wenn das Register direkt abrechnet (derzeit überwiegend bei Meldungen durch Gerichte); 12,50 € je Erblasser über einen Notar | Gebühren der Bundesnotarkammer |
| Notarielle Beurkundung | Volle Gebühr nach Tabelle B, mindestens 60 €; beim gemeinschaftlichen Testament von Ehegatten doppelte Gebühr, mindestens 120 € — jeweils zuzüglich Auslagen und 19 % Umsatzsteuer | Nr. 21200 bzw. 21100 KV GNotKG, § 36 GNotKG |
| Eröffnung nach dem Tod | 109 € — Kostenschuldner sind die Erben | Nr. 12101 KV GNotKG, § 24 GNotKG |
Behördenportale nennen teils andere Beträge: Hessen 75 € (fachliche Freigabe 2019; heute gilt ein höherer Betrag), Sachsen eine „Mindestgebühr“ von 15 € mit Verweis auf Nr. 12410 KV GNotKG — diese Nummer betrifft jedoch andere Erklärungen gegenüber dem Nachlassgericht. Für die Annahme einer Verfügung von Todes wegen in die besondere amtliche Verwahrung sieht das Kostenverzeichnis Nr. 12100 mit 82 € vor. Fragen Sie im Zweifel bei der Abgabe nach dem Gesamtbetrag.
Wenn Sie die Verfügung zu Hause aufbewahren: Privat verwahrte Testamente werden nicht im Zentralen Testamentsregister erfasst. Wer nach Ihrem Tod ein solches Testament besitzt, muss es unverzüglich beim Nachlassgericht abliefern (§ 2259 BGB) — das gilt auch für die benannte Person, wenn sie das Original hat. Vermerken Sie in Ihrem Notfallordner, wo das Original liegt, und sagen Sie es dem benannten Vormund und einer weiteren Vertrauensperson. Welche weiteren Dokumente dorthin gehören, zeigt unser Ratgeber Notfallordner-Inhalt.
Ändern oder widerrufen
Sie können Ihre Sorgerechtsverfügung jederzeit ändern oder widerrufen (§ 2253 BGB). Dabei gibt es drei Fallstricke:
- Eine neue Verfügung ersetzt die alte nur teilweise. Ein späteres Testament hebt ein früheres nur insoweit auf, als es ihm widerspricht (§ 2258 BGB). Wer nur eine neue Person benennt, lässt etwa einen früheren Ausschluss bestehen. Stellen Sie in der neuen Verfügung klar, dass frühere aufgehoben sind, oder vernichten Sie das alte Original in dieser Absicht (§ 2255 BGB).
- Zurückholen allein reicht bei einer handschriftlichen Verfügung nicht. Lassen Sie sie sich aus der amtlichen Verwahrung zurückgeben, bleibt sie wirksam (§ 2256 Abs. 3 BGB) — auch wenn manche Behördenportale die Rückgabe als Weg zum Widerruf nennen. Erst ein Widerruf beendet sie: durch eine neue Verfügung oder indem Sie das Original in Aufhebungsabsicht vernichten (§§ 2254, 2255 BGB).
- Bei einer notariellen Verfügung wirkt die Rückgabe als Widerruf — und zwar für die gesamte Urkunde (§ 2256 Abs. 1 BGB). Stehen darin auch Erbregelungen, fallen diese mit weg.
In einem gemeinschaftlichen Testament von Ehegatten bindet die Vormundbenennung nicht wie eine Erbeinsetzung: Wechselbezüglich — und damit bindend — können dort nur Erbeinsetzungen, Vermächtnisse, Auflagen und die Wahl des anzuwendenden Erbrechts sein (§ 2270 Abs. 3 BGB).
Ein Ablaufdatum hat die Verfügung nicht. Bedeutung hat sie, solange Ihr Kind minderjährig ist, denn eine Vormundschaft gibt es nur für Minderjährige (§ 1773 BGB). Prüfen Sie sie bei jeder größeren Veränderung — Umzug, Krankheit oder Trennung der benannten Person, Geburt eines weiteren Kindes, Zerwürfnis. Das sächsische Justizportal empfiehlt, die Verfügung jedes Jahr zu überprüfen.
Sorgerechtsverfügung oder Sorgerechtsvollmacht?
Die Sorgerechtsverfügung ist eine Verfügung von Todes wegen. Für die Zeit, in der Sie leben, aber die Sorge nicht ausüben können — etwa nach einem schweren Unfall —, greift sie nicht. Fällt nur ein Elternteil aus, übt bei gemeinsamer Sorge der andere sie allein aus (§ 1678 Abs. 1 BGB). Können beide Eltern die Sorge nicht mehr ausüben, kann ein Vormund nötig werden (§ 1773 BGB).
Für diesen Fall können Eltern nach der Broschüre des Bundesjustizministeriums schriftlich festhalten, wer für die Kinder handeln soll — etwa im Rahmen einer Vorsorgevollmacht. Im Alltag heißt so eine Festlegung oft „Sorgerechtsvollmacht“.
| Sorgerechtsverfügung | Festlegung zu Lebzeiten („Sorgerechtsvollmacht“) | |
|---|---|---|
| Für den Fall | Ihren Tod | Sie leben, können die Sorge aber nicht ausüben |
| Rechtsgrundlage | § 1782 BGB | Bei der Auswahl berücksichtigt das Gericht den Willen der Eltern (§ 1778 Abs. 2 Nr. 2 BGB) |
| Form | Wie ein Testament: von Hand oder notariell | Keine Testamentsform; im Beispiel des Ministeriums am PC in das Vollmachtformular eingetragen |
| Bindung des Gerichts | Grundsätzlich gebunden, Ausnahmen nach § 1783 BGB | Nicht im selben Maß gebunden; die vorgeschlagene Person ist aber auf ihre Eignung zu prüfen und gegebenenfalls einzubeziehen |
Sinnvoll ist oft beides: die Sorgerechtsverfügung für den Todesfall und eine schriftliche Festlegung für die Zeit davor.
In 7 Schritten zum fertigen Dokument
- Sorgerechtslage klären: Wann würde Ihre Verfügung greifen? Bei gemeinsamer Sorge erst, wenn beide Eltern ausfallen.
- Kandidaten prüfen — anhand der Maßstäbe des Gerichts aus der Tabelle oben, mit erster Wahl und Ersatz.
- Gespräch führen: Bereitschaft klären. Erklärt sich die Person im Ernstfall nicht binnen vier Wochen nach Aufforderung des Gerichts bereit, darf es sie übergehen.
- Inhalt festlegen: Person oder Ehepaar, Ersatzpersonen, gegebenenfalls Ausschlüsse, Regelung zum ererbten Vermögen, Wünsche.
- Formgerecht errichten: vollständig von Hand mit Ort, Datum und Unterschrift — oder beim Notar. Unverheiratete Eltern schreiben jeder eine eigene, inhaltlich abgestimmte Verfügung.
- Auffindbar machen: amtliche Verwahrung beim Amtsgericht oder fester Ablageort, den die benannte Person und eine Vertrauensperson kennen.
- Aktuell halten: bei jeder Veränderung prüfen; eine neue Verfügung hebt frühere ausdrücklich auf.
Was Angehörige nach einem Todesfall sonst erledigen müssen, fasst unsere Todesfall-Checkliste zusammen. Wer von Ihrem Vermögen erbt, wenn kein Testament existiert, erklärt der Ratgeber zur gesetzlichen Erbfolge.
Häufige Fragen zur Sorgerechtsverfügung
Ist eine Sorgerechtsverfügung ohne Notar gültig?
Ja. Ohne Notar ist sie wirksam, wenn Sie den gesamten Text eigenhändig schreiben und unterschreiben — wie ein handschriftliches Testament (§ 2247 BGB). Ort, Datum und eine Unterschrift mit Vor- und Familiennamen sollen dazugehören. Ein am Computer geschriebener und nur unterschriebener Text genügt nicht. Ein Notar ist keine Pflicht, kann bei Patchwork, Vermögensfragen oder Unsicherheit aber sinnvoll sein.
Wie schreibe ich eine Sorgerechtsverfügung?
Klären Sie zuerst, wann sie bei Ihnen greifen würde. Sprechen Sie dann mit Ihrer Wunschperson, wählen Sie eine Ersatzperson und schreiben Sie alles vollständig von Hand: Ihre Daten, die Kinder, die benannte Person mit Geburtsdatum und Wohnort, Ersatzpersonen, gegebenenfalls Ausschlüsse, dazu Ort, Datum und Unterschrift. Bewahren Sie das Original auffindbar auf oder geben Sie es beim Amtsgericht in Verwahrung.
Was kostet eine Sorgerechtsverfügung beim Notar?
Einen Festpreis gibt es nicht. Für die Beurkundung fällt eine volle Gebühr nach Tabelle B des GNotKG an, mindestens 60 € — bei einem gemeinschaftlichen Testament von Ehegatten die doppelte Gebühr, mindestens 120 € —, zuzüglich Auslagen und Umsatzsteuer. Die Höhe hängt vom Geschäftswert ab, den der Notar festlegt. Hinzu kommen 82 € für die amtliche Verwahrung, die der Notar veranlasst, und in der Regel 12,50 € je Person für das Testamentsregister. Fragen Sie vorab nach dem Gesamtbetrag.
Was passiert ohne Sorgerechtsverfügung?
Hat kein Elternteil mehr die Sorge, ordnet das Familiengericht eine Vormundschaft an und wählt den Vormund selbst aus (§§ 1773, 1778 BGB). Es berücksichtigt den Willen und die Bindungen des Kindes und den mutmaßlichen Willen der Eltern; das Jugendamt schlägt Personen vor. Ehrenamtliche Vormünder haben Vorrang. Einen Automatismus für Großeltern oder Paten gibt es nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht?
Die Sorgerechtsverfügung gilt für den Todesfall: Sie benennt den Vormund und bindet das Gericht grundsätzlich. Eine Sorgerechtsvollmacht oder eine Festlegung in der Vorsorgevollmacht betrifft die Zeit, in der Sie leben, die Sorge aber nicht ausüben können. Sie bindet das Gericht nach Angaben des Bundesjustizministeriums nicht im selben Maß; die vorgeschlagene Person ist aber auf ihre Eignung zu prüfen.
Wo gibt man die Sorgerechtsverfügung ab?
Abgeben müssen Sie sie nirgends — sie ist auch zu Hause aufbewahrt wirksam. Am sichersten ist die besondere amtliche Verwahrung beim Amtsgericht als Nachlassgericht; für eine handschriftliche Verfügung ist jedes Amtsgericht zuständig. Sie erhalten einen Hinterlegungsschein, die Gebühr beträgt 82 €, dazu kommt die Registrierung im Zentralen Testamentsregister (15,50 € je Person; Stand Oktober 2026). Eine notarielle Verfügung bringt der Notar selbst in die Verwahrung.
Müssen beide Elternteile eine Sorgerechtsverfügung schreiben?
Jeder Elternteil benennt für sich. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können eine gemeinsame Verfügung errichten: Einer schreibt sie vollständig von Hand, beide unterschreiben. Unverheiratete Eltern schreiben jeder eine eigene. Benennen Sie in beiden dieselben Personen in derselben Reihenfolge — widersprechen sich die Verfügungen, gilt die des zuletzt verstorbenen Elternteils (§ 1782 Abs. 2 BGB).
Kann ich mehrere Personen als Vormund benennen?
Gemeinsam benennen können Sie nur ein Ehepaar (§ 1782 Abs. 1 BGB). Ein unverheiratetes Paar oder etwa zwei Ihrer Geschwister lassen sich nicht als gemeinsame Vormünder einsetzen. Sie können aber mehrere Ersatzpersonen in einer festen Reihenfolge benennen. Für Geschwisterkinder soll das Gericht in der Regel nur einen Vormund bestellen; wenn die Kinder zusammenbleiben sollen, benennen Sie für alle dieselbe Person.
Wie lange gilt eine Sorgerechtsverfügung?
Sie gilt, bis Sie sie widerrufen oder durch eine neue ersetzen; ein Ablaufdatum gibt es nicht. Bedeutung hat sie nur, solange Ihr Kind minderjährig ist, denn eine Vormundschaft gibt es nur für Minderjährige. Ab dem 14. Geburtstag kann Ihr Kind der benannten Person widersprechen (§ 1783 BGB). Prüfen Sie die Verfügung bei jeder größeren Veränderung im Leben der benannten Person.
Kann die benannte Person die Vormundschaft ablehnen?
Vormund wird nur, wer sich gegenüber dem Gericht bereit erklärt (§ 1785 Abs. 2 BGB). Das Gesetz verpflichtet die ausgewählte Person zwar grundsätzlich zur Übernahme, soweit sie ihr zumutbar ist. Erklärt sich die benannte Person aber nicht binnen vier Wochen nach der Aufforderung des Gerichts bereit, darf das Gericht sie übergehen (§ 1783 Abs. 1 Nr. 5 BGB). Deshalb: vorher fragen und Ersatz benennen.
Gilt die Sorgerechtsverfügung, wenn wir nicht verheiratet sind?
Ja — für den Elternteil, dem bei seinem Tod die Sorge für Person und Vermögen zusteht (§ 1782 Abs. 1 BGB). Ohne Sorgeerklärungen hat die Mutter die Sorge allein (§ 1626a Abs. 3 BGB); eine Benennung des Vaters wirkt dann nur, wenn er bei seinem Tod sorgeberechtigt ist. Stirbt die allein sorgeberechtigte Mutter, prüft das Gericht zuerst, ob der Vater die Sorge erhält (§ 1680 Abs. 2 BGB).
Gibt es ein amtliches Formular für die Sorgerechtsverfügung?
Ein Formular zum Ausfüllen kann die Form nicht erfüllen, weil der gesamte Text von Ihrer Hand stammen muss. Offizielle Informationen bieten das Bundesjustizministerium mit der Broschüre „Das Vormundschaftsrecht“ und die Justizportale der Länder, etwa Sachsen und Hessen; deren Angaben zu Gebühren, Vermögenssorge und Widerruf sind allerdings teils veraltet. Vorlagen aus dem Netz können beim Aufbau helfen; achten Sie darauf, dass sie § 1782 BGB in der seit 2023 geltenden Fassung zugrunde legen.
Quellen
- gesetze-im-internet.de — Bürgerliches Gesetzbuch: §§ 1626, 1626a, 1638, 1671, 1678, 1680, 1682, 1773–1785, 1789, 1790, 1811 (Sorge, Vormundschaft, Zuwendungspflegschaft); §§ 2232, 2233, 2247, 2248, 2253–2259, 2265, 2267, 2270 (Testamentsform, Verwahrung, Widerruf) (Stand Oktober 2026)
- gesetze-im-internet.de — FamFG §§ 344, 346–348 (besondere amtliche Verwahrung, Eröffnung); BeurkG § 34; GNotKG §§ 24, 36, Anlage 1 Nr. 12100, 12101, 12410, 21100, 21200, 32005, 32014 und Anlage 2 Tabelle B; SGB VIII § 53; LPartG § 10 Abs. 4 (Stand Oktober 2026)
- bmjv.de — Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Broschüre „Das Vormundschaftsrecht“, Abschnitte 5 und 13 (Stand Juli 2026)
- amt24.sachsen.de — Sächsisches Staatsministerium der Justiz: Leistung „Sorgerechtsverfügung bei Gericht hinterlegen“ (Freigabe 10.03.2026, abgerufen Oktober 2026)
- verwaltungsportal.hessen.de — Hessisches Ministerium der Justiz: Leistung „Sorgerechtsverfügung bei Gericht hinterlegen“ (fachliche Freigabe 04.12.2019, abgerufen Oktober 2026)
- testamentsregister.de — Bundesnotarkammer: Registerkosten und häufige Fragen zum Zentralen Testamentsregister (abgerufen Oktober 2026)
- justizadressen.nrw.de — Justizportal des Bundes und der Länder: Orts- und Gerichtsverzeichnis (abgerufen Oktober 2026)
Stand: Oktober 2026. Alle Gebühren und Paragrafen geprüft am 8. Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.
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